Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 598 (sequence 28)
- Language
- German
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598 Im deutschen Reich. gleichzeitig die Ritualmordlust als eine Familieneigenthümlichkeit der Betreffenden zu schildern; aber auch diese Behauptung hat den Fehler, den sie mit den meisten Sensationsnachrichten antisemitischer Blätter teilt: sie ist einfach erlogen. Ich übergehe alles Uebrige, was hier erwähnt werden fönnto; ich übergehe den Prozeß, der leider so unglücklich geendet hat, gegen Moritz Levp. Welche Unbefangenheit man von Geschworenen erwarten darf, deren Obmann der zuvor erwähnte Oberlehrer Meyer ist, will ich nicht weiter erörtern. Der unglückliche Lcvy verbüßt gegenwärtig seine Strafe im Znchlhausc; hoffentlich wird auch seine Unschuld noch einmal erwiesen werden. Ich erwähne nur kurz die Untersuchung, die Herrn Rosenth.ll in Eamin in Haft gebracht hat auf Grund von Ammenmärchen, die von antisemitischer Seite ausgestreut waren. Man hat dort ein geisteskrankes Mädchen veranlaßt, zu behaupten, daß Rosenthal aus Gewissensqualen über den Konitzer Mord sich habe erhängen wollen. Dem in sehr geordneten Verhältnissen lebenden Manne ist nie der Gedanke gckonnnen, einen Selbstmord zu versuchen; Alles gelogen, also geeignet, von Antisemiten verbreitet zu werden! Hier war überall von Juden die Rede, die in Prozesse verwickelt waren, und ich muß Ihnen eine Liste vorlesen aus jenem Berichte, mit dem der Staatsanwalt das (5nuiUelungs verfahren gegen Juden eingestellt hat. Die Liste zeigt, in welcher Richtung und in welchem Umfange in dieser Richtung sich die Ermittelungen der Behörden bewegt haben und mit welcher Unverfrorenheit die Vorwürfe gegen die Beamten dahin erhoben worden sind, sic begünstigten die Inden. - Der Staatsanwalt stellt zunächst das Alibi fest bezüglich des Adolf Levv, des Moritz Levv und des Hugo Levy; er. erörtert die Verdächtigungen gegen den Ileischergesellen Hermann, gegen Israclsti, gegen Helene Levv und Frl. Easpary; er stellt fest, daß widerlegt seien die Anschuldigungen gegen Srudinski aus Landeck, Davidsohn aus Könitz, Zander ans Könitz, gegen den Rabbiner Kcllermann, den mau ja auch reichlich mit Haussuchungen bedacht har, gegen den Kantor Hamburger ans Schlochau, Kantor Hermann aus Könitz. Kantor Levithan aus Rieseuburg, Kautor Haller aus Tuchel, Kanter Fuchs aus Straßburg W./Pr., Kantor Rosenbaum aus EzerK. Fleischer Kamnitzer aus Tuchel, Kaufmann Rosenthal aus Canum Fleischer Eisenstaedt aus Prechlau, Familie Lcvy aus Polzin, Großmama aus Bütow, Eheleute Scheidemaun aus Bütom u. s. w. u. s. w. ich will Sie mit dieser immer weiteren und noch lange nicht beendeten Aufzahlung nicht mehr langweilen; man kann bloß sagen; es giebt wenige