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Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 595

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Konitz
Date
1901-11-01
Page
595 (sequence 25)
Language
German
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.Sion in. 595 daß er sich Nachts um die zwölfte Stunde in dem Schlafgemache der Wnthschafterin befand und trotz heftigster Aufforderung seitens der letzteren den Ausgang nicht finden konnte. NiwterlichersciLs wurde Herrn Krösett die Aufklärung zu Theil, daß in einem solchen Verhalten Hausfriedensbruch gefunden werden muffe (und das ist ja noch das Mindeste in diesem Falle) und so muß denn der arme Pfarrer seinen Mangel an Ortssinn mit einer Geldstrafe büßen! Es ist schon in jenem Aufrufe erklärt worden.- man muffe jede Spur, verfolgen, mit anderen Worten also, die Behörden thäten ihre Schuldigkeit nicht. Die Vorwürfe gegen die Beamten sind denn hier auch in reichem Maaße Seitens der Antisemiten erhoben worden, obgleich man wirklich, ohne unbescheiden zu sein, sagen kann: Eine Reihe von Beamten ist es, gegen welche Juden sich beschweren könnten. Da ist der Oberlehrer HofrichLcr in Könitz — Oberlehrer, meine Damen und Herren, ein Lehrer der Jugend, einer, der die Zukunft unseres Landes unterrichtet und unterweist. Ter hat einen Beleidigungsprczcß gehabt: ein Jude fühlte sich dadurch verletzt, daß der Oberlehrer Hofrichter sich weigerte, einen ihm bekannten christlichen Herrn zu grüßen, nur weil dieser Herr mit einem Juderl zusammen stand! Dann hat der Landrath, Freiherr von Zedlitz, in einer Versammlung in Könitz, Ende Juni l900, die veranstaltet war, um zu berathen, wie man die aufgeregten Massen beruhigen könne, erklärt, er halte cs durchaus für möglich, daß thatsächlich daraus Aberglauben vollbrachte Verbrechen einzelner Fanatiker vorliegt. Das bedeutet also nun die Konzession an die Antisemiten: nicht gerade die Juden sind die Mörder, aber eine Anzahl fanatisirter Juden! Ferner ist von der Ttaatsbürgerzeitung gemeldet worden, daß in den Berichten des Staatsanwalts Settegast, des Vorgängers des Herrn Dr. Schweiggcr in Könitz, direct davon ausgegangen sei, daß der Ritualmord mindestens möglich fei. Der Staatsanwalt Sertegast ist überhaupt einig ermaßen brmcikeuswerth. Auffallend ist der Antrag, den er gegen Israelski gestellt hat. 'Alles war, als cs sah, wie unergiebig die Ermittelungen gegen Jsraelsti waren, erstaunt, wie es dennoch möglich war, diesen. Menschen, für den man übrigens keine Sympathien zu hegen braucht — er ift eilt Säufer, der feine Familie nicht ernährt, ein Mann, für den man sich, wie gefügt, weiter nicht zu erwärmen braucht, aber trotzdem ein Mann, der ein Recht hat, nicht unschuldig Monate lang im Unterfnchnngsgefängniß zu sitzen — jeder war überrascht, wie nichts aus dieser Untersuchung herauskam,

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