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Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 594

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Konitz
Date
1901-11-01
Page
594 (sequence 24)
Language
German
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.591 deutschen Reich. Der hat in seiner Studienzeit mit jenem Viereifer, den junge Mediziner zu entwickeln pflegen, sich ein paar alte verstaubte Knochen besorgt. Die lagern seit Jahren dort, und das waren die angeblichen blutigen Leichentheile von Winter. Wurde so mit allen möglichen, oder eigentlich richtiger, allen unmöglichen Mitteln gearbeitet, um die Massensuggestion im Großen Zu betreiben, eine Suggestion, die leider nur Zu sehr Erfolg hatte, so griff man noch Zu anderen Mitteln: es bildeten sich ganze Vereinigungen, die sich die Aufklärung dieses Mordes, die man ja viel besser von vornherein den Behörden überlassen hatte, zum Ziele setzten. Es wurden nun von diesen Vereinigungen auch Proklamen in die Welt gesetzt, in denen natürlich immer nur mit dem jüdischen Ritnalmord operirt wird, o?er mit dein Blutmord. Herr Theodor Früsch in Leipzig war derjenige, der zuerst einen solchen Verein bildete. Der zweite, der seinen Aufruf mit unterzeichnet hat, ist Herr Justizrath Gröger in Schweidnitz, und eo verdient festgenagelt zu werden, daß ein Anwalt des Rechtes sich findet, der solche Dinge mit vollzieht! Es hat sich ferner die „Vereinigung zur Aufklärung des Mordes in Konih" gebildet und einen Aufruf erlassen, in welchem sie erklärt: „Die Unterzeichner wollen eine Geldsammlung veranstalten, um jede Spur rücksichtslos zu verfolgen". „Jede Spur" ist fett gedruckt, denn die Behörden verfolgten ja bekanntlich nicht jede.Spur, die haben ja nur gegen Christen ihren Verdacht gerichtet — nach den Erklärungen jener Blätter — und haben die Juden mit Absicht frei hcrumlaufen lassen, während man ja eigentlich alle Konitzer Inden g'eich hätte festsetzen müssen. Zu dieser Erklärung dieser Vereinigung weist mit Recht die ..Rationalzeitung" darauf hin, daß danach Privatleute die Spuren verfolgen müssen, weil die Behörden offenbar angeblich ihre Pflicht nicht thun! Der Justizminister hat im Abgeordnetenhaus erklärt, daß demnächst die Unterzeichner des Aufrufes der ..Vereinigung zur Aufklärung" des Konitzer Mordes sämmtlich vor dem Untersuchungsrichter vernommen worden seien, um ihm einmal mitzuthcilen, was sie denn nun ^aufgeklärt" hätten, und da haben die Herren sämmtlich erklärt, daß sie nichts wüßten. Die Gelder waren also jedenfalls sehr gut angelegt, die man für die Sammlungen dieser Herren gegeben hatte. Erwähnt sei übrigens, da!; an der Spitze jener ,.Vereinigung zur Aufklärung" dos Mordes Herr Pfarrer Kröscll aus Klorin sieht, der selbst allerdings kurz daraus eine recht peinliche Aufklärung seitens des Richters erfahren mußte. Dieser Pfarrer war bei einem Freunde zu Gast und kannte die Wohnungsverhältnisse bei seinem Gastgeber so wenig,

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