Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 593 (sequence 23)
- Language
- German
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593 .Skonti;. Juben zuruft: Bis hierher und nicht weiter!, der als Schutzengel für unsere Kinder auftritt?" Die „Staatsbürger-Zeitung" meldet: Ein Jude Zander habe geäußert: .,Den Mord können Juden begangen haben, aber sie reisen reu anderswo zu: sie werden theucr bezahlt und haben freilich hier und dort Helfershelfer". Die Behauptung ist von Zander auf das Bestimmteste bestritten worden. Dann hat sich ein Strafanstalts-Geistlicher gefunden, der in einer Zeitung publiziert hat, was er als authentisch über den Ritualmord vernommen hat, und wie ein solcher vorgenommen zu werden pflegt. Es befand sich nämlich in dem Zuchthause, an dem dieser Herr Geistlicher war, ein Jude, — nein, ein getaufter Jude, einer der einmal Jude gewesen und nunmehr von Beruf Insasse dieses Zuchthauses war. Von dem hat sich der Geistliche auseinandersetzen lassen, wie die früheren Glaubensgenossen dieses Herrn Ritualmorde zu begeben pflegen, und, was ein Zuchtbäusler und von seinem Glauben abtrünniger dem Geistlichen vorschwatzt, hält letzterer für so zweifellos richtig und mit Rücksicht auf die lautere Duelle, der es entstammt, für so glaubbaft, daß es schleunigst durch die Presse der staunenden Milwelt verkündet werden muß! Dann wurde gemeldet: In der Svnagoge — und das wäre ja auch vielleicht bedenklich — ist ein Fläschchen mit Blut gefunden worden. Natürlich mußte es dort zu rituellen Zwecken gehalten sein, was hatte cs sonst in der Svnagoge zu tbun? Thalfäckfliches von der Sache: Neben der Svnagoge in Könitz befindet sich ein Schlachthaus. Bei der Untersuchung, die dort stattgcfunden hat, hielt cs ein Beamter für angezeigt, von dem Beden dieses Schlachthauses etwas Blut zusammen zu kehren und in ein Fläschchen zu thun, um es nach Berlin zur Untersuchung zu schicken, wo cs demnächst als Hühnerblut iestgestellt worden ist. Daraus wird -gemacht: In der Svnagoge bat sich ein Fläschchen mit Blut befunden. Und das führt ein antisemitisches Blatt dazu, zu sagen: Die Behörden thun ihre Schuldigkeit nicht: daß man die Konitzer Synagoge durchsucht hat, ist kein Beweis; wenn man wirklich fcststellen will, wie der Mord begangen ist, dann muß man sammtliche deutsche Synagogen untersuchen! Dann wird von den Antisemiten ein Dienstmädchen in's Feld geführt; das ist eine besonders wichtige Zeugin: es soll nämlich aussagcn, daß es im Hause einer jüdischen Herrschaft in Könitz noch blutige Leich entheile gesehen habe. Das Mädchen wird vernommen, und es stellt sich heraus: Der Sohn des betressenden Juden ist Arzt.