Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 592

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Konitz
Date
1901-11-01
Page
592 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316676-2316687-2328595--08793-2328680
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

592 Im deutschen Reich. Hörden doch mindestens von einer ganz bemerkenswerthen Gründlichkeit der Untersuchung! Was übrigens die Andeutung der „Staatsbürger-Zeitung" betreffs der Ausgrabungder Leiche der Tochter Meyers betrifft — die Familie Meyer hatte das Unglück, daß, nachdem sie ganz kurze Zeit in Berlin war, eine erwachsene Tochter plötzlich am Starrkrampf starb — so wurde in Könitz verbreitet, das junge Mädchen habe sich das Leben genommen wegen seiner Mitwissenschaft an dem Konitzer Morde, und da wird hier von Ausgrabung der Leiche gefabelt, an welche von behördlicher Seite kein Mensch je gedacht hat. Weiter meldet die „Staatsbürger-Zeitung": Moritz Lewv sei zwischen Landsberg und Könitz ans dem Estenbahnzuge gesprungen, während dieser sich in voller Fahrt befunden habe; angeblich sei er von Mitreisenden gekniffen werden. Ob dies, was unwahrsevcinlich, der Grund seines Verhaltens gewesen sei oder ob er einen Selbstmord beabsichtigt habe, müsse die nächste Zeit lehren. An der ganzen Erzählung ist kein wahres Wort; Moritz Lewv ist überhaupt nicht verreist gewesen. „Der Lehrling eines Gärtners", wird weiter gemeldet, „hat am Mordtage im Aufträge von Winter bei Lewv's einen Blumenstrauß abgegeben". Das wäre ja furchtbar gravierend und nach dem Anscheine, den die Antisemiten sich geben, ihrer Ueberzeuguug nach offenbar das sicherste Merkmal dafür, daß Winter dort getötet worden fein muß. Es ist dann weiter gesagt, ein Kaufmann Tuchler in Könitz habe dem Gärtner fünfhundert THaler Schweigegeld geben wollen, der Untersuchungsrichter aber habe den Lehrling erst nach vielen Bemühungen ermitteln können. Thatsächlich ist festgestellt, daß der Lehrling des Gärtners im November 1899, ca. 5 Monate vor dem Tode des Winter, bei Lewy zwei Sträuße abgegeben hat, die zu einer Hochzeit bestimmt waren. Weiter ist nichts Thatsächliches an der ganzen Sache'. Dann soll, als Jsraelski verhaftet war, in einer Kartoffel dev rituellen Essens ein Kassiber gefunden worden sein, — total erlogen! Weder hat der Mann rituelles Essen bekommen, noch ist ein Kassiber gefunden worden. Die Behauptung ist amtlich als erfunden bezeichnet worden. Das „Konitzer Tageblatt" bringt weiter die Meldung, daß Moritz Lewy im Untersuchungsgefängnis, in das er ja wegen Meineidsverdachtes gebracht war, versucht habe, sich zu erhängen — ebenfalls kein wahres Wort! Der „Deutsche Generalanzeiger", dieses biedere Blatt, verstcigt sich daraufhin sogar zu den Worten: „Ist denn Niemand da, der den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.