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Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 591

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Konitz
Date
1901-11-01
Page
591 (sequence 21)
Language
German
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Könitz. 591 sländliches geäußert, habe Frau Mever gefragt: „Ob das wobl rauskommen wird?", Meyer habe erklärt: „Das kommt heraus" und, nachdem so etwas von „Vertragen in Könitz und in den Seen, Mönchsee, Nichnauersee und Muskendorfer See" gesprochen worden, habe die Tochter Rosa Meyer sich an Heliwig mit der Frage gewandt: „Kennen Sie den Gymnasiasten Ernst Winter?" und auf die verneinende Antwort hinzugefügt: „Sagen Sie ihm, daß er sich vorsehe; er solle Könitz verlassen und ein anderes Gymnasium ausjuchen. Bleibt er hier, dann bekommen sie ihn doch; er ist ihnen schon zu sehr zugetban." Und so sind denn die Beobachtungen des Herrn Heliwig anmuthig weitergegangen und es ist, soweit seine eigene Phantasie nicht ausreichte, wacker in ihn hineingeheimuißt worden, bis er alles, was man für erforderlich hielt, selbst glaubte und wiedergab. Dieser Heliwig ist nämlich kein gewöhnlicher Bauernjunge: von der Parteien Haß und Gunst Zerrissen, schwankt sein Cyarakterbild in der Presse. Während ein Blatt meldet, daß er als ein Schwachsinniger bekannt sei, der sich in seinem Dorfe und der Umgegend damit befasse, Teufels-Austreibungen vorzunehmen, und während sogar der Vertreter der Anklage in einem der Konitzer Prozesse sich veranlaßt sah, die Glaubwürdigkeit der Hellwig'schen Erzählungen erheblich in Zweifel zu ziehen, läßt die „Staatsbürger-Zeitung" diesen, Juden belastenden Burschen in bengalischer Beleuchtung erscheinen, und sie schildert, einen wie tiefen Eindruck es auf alle „unbefangenen" Zuschauer gemacht habe, als dieser echt deutsche, biedere tzandwirtb, eine kerndcunche Hünengestalt, seine schlichten Aussagen gemacht habe, und wie empörend es sei, daß der Staatsanwalt es gewagt habe, die Richtigkeit der Bekundungen eines solchen Mannes anzuzweiseln! Es ist in der Tbat schon weit bei uns gekommen, wenn nicht einmal Teufelsaustreibern unbedingter Glaube geschenkt wird! — Indessen, so lächerlich die ganzen Erzählungen erscheinen, so deutlich die Unrichtigkeit derselben zu Tage tritt, sie reichten für Herrn Bruhn hin, um darauf in der „Staatsbürger- Zeitung" die Behauptung zu stützen, daß die Familie Meyer vorher Kenntniß von dem Morde gebabt habe und deshalb schleunigst verhaftet werden müsse. Deshalb wurden die Mitglieder der Familie Meyer hier in Berlin vernommen. Sie haben eidlich in Abrede gestellt, solche Acüßerungeu gethan zu haben. Die Folge war, daß nunmehr ein Ernnttelungsversabren wegen Meineids gegen Meyers eingeleitet wurde, da ja Ln Könitz die Tischlersrau Wiwjorra und der Zeuge Hellwig solche Aeußeruugen der Meyers bekundet hatten! Das Verfahren gegen die Familie Meyer ist ja eingestellt, indcffen, daß es zu einem solchen überhaupt kommen konnte, zeugt bei unseren Be-

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