Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 590 (sequence 20)
- Language
- German
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590 deutschen Gleich. Nacht im Krankenhause war, und dorthin hat er sich, wohl auch nach Annahme der Antisemiten, Winter nicht kommen lassen, um ih i zu. töten! Ferner belichtet die ,,Deutsche Zeitung" in Creseld: „Durch glaubwürdige Zeugen ist festgcstellt, daß der Schächter ans Riesenburg am 11. März in Könitz war. Ausgefallen ist, .daß er, der früher einen Bart trug, rasiert und mit einer Beule im Gesicht von Konih heimkehrte." Sehr gravierende Momente, aber kein einziges ist wahr' Der Mann war nicht in Konih, und er hat sich nicht rasieren lassen. Nichts ist wahr, nicht einmal eine Beule hat er gehabt! Sodann ist gesagt worden: Mitglieder der Familie Bohm sollen gesehen haben, daß der Rabbiner von Konih und der dortige Schächter, was sie noch nie gethan hätten, am Tage vor dem Morde sich yi verschiedenen Malen ans dem Hose des Grundstückes, in welchem der jüdische Leinwandhändler Jsraelst'i wohnt, und in der Wohnung der-. letzteren befunden haben! Dann weiter: „Der Schlüssel für die Aufklärung der ganzen Mordaffäre liegt in den Feststellungen, die behördlicherseits in Bezug ans das Verbalten der Familie Meyer und die sonstigen, damit in Verbindung stehenden Vorgänge (Ausgrabung der Leiche der Tochtergemacht wurden." Das ist übrigens eine der größten Znsamicen, die in dieser Augelegenheil aufgebracht worden sind. Man hat die Familie eines Herrn Matthäus Meyer, der aus Konih nach Berlin verzogen war, verdächtigt, mit dem Morde in Verbindung zu stehen. Es sollen Leute gehört haben, daß — und zwar schon um Weihnachten 1*99 — die Tochter von Meyer im Laden ihres Vaters zu diesem gesagt habe: „Vater unterschreibe das nicht, das ist ja Mord!" (Es sollte nämliw bei den Konitzer Inden eine Liste herumgogangen sein, in welche sie!' Mordlustige eintragen konnten!) Ein „Landwirth" (richtiger Bauernbursche) Hellwig aus Görsdors sollte schon im November 1*99 im Meyer'schen Laden gesehen haben, wie Meyer nebst Frau, zwei Töc!- lern und einem ein Buch tragenden unbekannten Manne ans dev'. Zimmer in den Laden traten und sehr aufgeregt und verstört sich unterhielten; die Mutter Hellwigs sollte den Meyer gefragt haben: „Der will wohl Abgaben haben?", worauf Meyer erwidert habe: „Ja, ja — nun das wohl gerade nickt; aber wir werden ihm schon geben, daß er zufrieden ist; wir bleiben hier ja doch nicht, wir ziehen, nach Berlin." Darauf habe Frau Meyer gesagt: „Das war keiner von der Steuer; es ist nur eine Unterschreibung und Verschwörung wegen eines jungen Herrn." Nachdem Meyer selbst etwas Unver-