Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 588 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Fm deutschen Reich. Weit mehr Fälle aber, als bicfe, kennt einer und das ist der bekannte Antisemit Herr von Mosch. Der hat in einer Versammlung in Potsdam sogar gesagt: Es lägen 100 historische Fälle vor, und die seien ausnahmslos jüdische Rllualmorde, denn sie hätten alle dieselben Charakteristika, an denen man das ganz genau erkennen könne. Ich gebe sie Ihnen zum Besten, damit Sie auch ein ander Mal so recht schnell erkennen können, ob ein Nitualmord vorliegt: 1. Die Morde passierten immer zur jüdischen Osterzeit! lDaß diese mit der christlichen Osterzeit zusammenfällt, ist natürlich den intelligenten Hörern des Herrn von Mosch durchaus entgangen). 2. In allen diesen Fällen sei der Schachtschnitt vorhanden gewesen'. 8. Die Leichen seien immer blutleer gewesen! 4. Das Blut sei immer foitgeschafft worden! 5. Die Voltsstimme habe immer Verdacht auf die Juden gehabt! (Wenn sie nänllich von dem antisemitischen Gelichter ebensä beeinflußt worden ist, wie in dem Konitzer Falle). 6. Wenn verdächtige Juden frcigelassen worden seien, seien die Mörder nie gefaßt werden! (Well eben die wahren Spuren von den Antisemiten verwischt worden sind). 7. Nie liege ein Raub- oder Lustmord vor! (wofür Polna, wie wir gesehen haben, einen trefflichen Beleg liefert). 8. Ermordet seien stets christliche Binder! ('Andere Fälle konnten sich die antisemili chen berufsmäßigen Lügner selbstverständlich für das Ritualmerdmärchen nicht aussuchen).!>. Niemals sei die Mordwaffe gesunden worden! 10. Die Geständnisse der Juden (!?) stimmten in allen Jahr hunderten immer überein. (Cr sagt aber nicht, daß die einzige lieber einstimmung darin besteht, daß solche Geständnisse, wenn überhaupt dann unter der Dual der Folter abgegeben werden sind.) 11. Immer seien dann fremde Juden am Orte gewesen, die schnell verschwänden! Wie fruchtbar könnte eine solche Phantasie wirken, wenn sie nicht auf Gemeines gerichtet wäre, wenn ein Dichter sie besäße, anstatt daß sie nur im Erdichten unwahrer Angaben sich bewährte! Diese Charakteristika sind denn auch hier herangezogen worden; die Antisemiten haben bald ihr Augenmerk darauf gerichtet, in dieser» Falle möglichst viele dieser charakteristischen Merkmale, da sie nickt vorhanden waren, zu schaffen. Einmal die Osterzeit. Nun, die ist eben von Alters her auc gesucht worden; wenn man es brauchte, hat man sich einen Mor' ausgesucht, der in der Osterzeit passiert mar.