Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 586 (sequence 16)
- Language
- German
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580 Im deutschen Reich. Angelegenheiten bezüglich des Todes Winters befaßt, anznnehmen, als mißglückt anznsehen ifUd Am 11. Juni war auch eine offiziöse Erklärung der Negierung erschienen: „Statt die Behörden zu unterstützen, hat ein erheblicher Theil der Bevölkerung. sich durch parteipolitische Agitation und durch eine skrupellose Thätigkeit gewisser Preßorgane in den Bann bestimmter Vorstellungen zwingen lassen. Infolge dieser Beeinflussung hat sich in weiten Kreisen die Ueberzengung festgesetzt, daß es sich bei diesem Verbrechen um einen jüdischen Nitnalmord handle, obwohl die disherigen, auch nach dieser Richtung mit allem Ernst angestellten Ermittelungen nichts ergeben haben, was eine solche Annahme — selb't bei Voraussetzung der Möglichkeit von Ritualmorden — rechtfertigen könnte". Die „Deutsche Tageszeitung" war allerdings empört darüber, daß die Negierung eine solche "Notiz in die Zeitungen gebracht hatte, denn das stimmte ja nickt zu dem Eoneept dieses Blattes. Trotzdem also war es beim Schächtfchnitt in den Antisemiten' Blättern allüberall verblieben. Neuerdings — das wird Zhuen sa belannt sein — hat sogar noch die „Staatsbürger-Zeitung" eine Umfrage über den Nitnalmord veranstaltet. Sie wissen, es ist ein ziemlich weit verbreiteter Unfug in neuerer Zeit, daß Zeitungen au Leute, die sie für berühmt genug halten oder ansgeben wollen, bestimmte Anfragen rickten, nur Antworten zu erzielen. So hat denn auch die „ Staatsbürger-Zeitung" eine Umfrage veranstaltet; sie hat auck eine Reihe von Antworten bekommen, eine immer" thörichter als die andere, interessant dadurch, daß immer einer von den großen Leuten dem Anderen widerspricht. Es war in der Thal auch für die Zeitung eine ziemlich schwierige Aufgabe, die sie sich da gestellt hatte: sie hat nämlich ein Eremve. mit circa 30 unbekannten Größen veranstaltet, und das ist nati?x'licb sehr schwer. Auch hier hat sie gleichzeitig ihren praktischen Geschäfts' sinn betbätigen können: sie hat mit 30 Antworten mindestens 10 bis 50 Spalten gefüllt, ohne dafür das allermiudeste Antorenhonorar Zahlen zu müssen! Während so mit dem Schachischnitt hausieren gegangen wurde, fand sich andererseits im „Konitzer Tageblatt" folgendes Eingesandt: „Herr Schlächtermeister Hosfmann behauptet,' ein richtiger Schäcktschnitt liege vor. Der Schnitt scheint aber" — dem Einsender jener Notiz — „nach dem Eonversationslerikon (!) kein Schächischnn: Zu sein." Nun sollte man meinen: also liegt auch kein Nitnalmord vor — weit gefehlt: „Also ist es nicht unwahrscheinlich, daß die