Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 581 (sequence 11)
- Language
- German
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Koniy. 581 Zunächst also haben die Antisemiten mit diesem Schächtschnitt, der ja amtlich wenigstens als höchst wahrscheinlich festgestellt war, und mit der ebenso bescheinigten Blutleere operiert. Es ist interessant, in dieser Beziehung zu sehen, wie die „Staatsbürger-Zeitung" damals berichtet hat. Sie bringt einen Leitartikel am 27. März 1900; „Der Konitzer Mord — ein Blutmord?" „Die Mörder haben nach der Ansicht eines Sachverständigen, des Dr. Müller jr. — das ist der Sohn jenes Phpsikus — Kops und Hals so weit als möglich aus dem Rumpf herausgeschnitten, in der Absicht, etwaige Verletzungen am Halse zu verdecken." Wohl gemerkt, der Kops war damals noch nicht gesunden, man stellte aber fest, es sei, um den Schnitt an dem Halse — den man nicht hatte — zu verdecken, so twf abgeschnitten worden — eine ganz glühende Phantasie! „Die einen meinen, Wiener sei das Opfer einer Eifersuchtsscene geworden, andere, er sei Dirnen und Zuhältern in die Hände gefallen — und andere, — und diese bilden die Mehrzahl — schieben dieses scheußliche Verbrechen der jüdischen Bevölkerung in die Schuhe." Am 29. März erscheint in der „Staatsbürger-Zeitung" ein Leitartikel: „Polna — Könitz." Bezüglich des Polnaer Mordes wird erklärt: „es ist klar, daß das Motiv des Mordes kein anderes war, als das Blut aufzusangen" - i!tatsächlich ist durch das österreichische oberste Gericht in seinem llnh - ausdrücklich festgestellt worden, daß der Befund das Vorliegen lediglich eines Lustmordes auf das Bestimmteste erweise — und es wird fortgefahren: „Wie in Mauten und Polna sind auch hier offenbar fremde Personen betheiligt und zwar fremde Juden." Woher „offenbar" fremde Personen betheiligt sein sollen, wird bered: verschwiegen, und woran man die Religion dieser angeblich betheiligteu und, wenn überhaupt epistierenden, so jedenfalls völlig unbekannten Personen erkennen konnte, wird ebenfalls nicht verrathcn. „Die Zerstückelung der Leichentheile ist offenbar (!) zu, dem Zwecke geschehen, etwas zu verbergen, vielleicht den Halsschnitt, da gerade dieser Körper:heil fehlt?" Sie sehen, es liegt wieder eine „Offenbarung" des würdigen Blattes vor und es ist nicht erfindlich, weshalb nicht ein Fuß schnitt oder ein Arm schnitt oder irgend ein anderer Schnitt vermuthet wurde, da ja noch bis jetzt entsprechende Kmpertheile fehlen. „In der Bibel," so ward am 10. April den andächtigen Lesern verkündet, „steht natürlich nichts vom „„Blutritual"", im Gegentheil, es wird dort vor dem Blutgeuuß wiederholt gewarnt und auffallenderweise sogar sehr oft! Dieses wiederholte Verbot rechtfertigt eigentlich