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Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 579

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Konitz
Date
1901-11-01
Page
579 (sequence 9)
Language
German
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Könitz. 570 testierte, das weiß man ja nicht — protestierte feierlich, daß man sein Kind so cinsargcn wollte. Er verlangte ein feierliches Begräbniß, und ich brauche Ihnen nicht des Näheren Zu schildern, Sie haben es seiner Zeit gelesen, mit welchem Pomp, unter Theilnähme aller Behörden auch von Könitz, dieser Jüngling zu Grabe getragen wurde. Unter Theilnahme aller Behörden, weshalb? — Ja, beantworte es sich jeder, so gut er es kann; ich weiß es nicht. Nur weil er gemordet worden ist? — Das kann doch wohl eigentlich der Grund nicht sein, denn ich habe sonst noch niemals gehört, daß die Behörden bei dem Leichenbegängniß eines Ermordeten gefolgt sind, wenn es nicht eine illustre Persönlichkeit natürlich gewesen war, und das werden ja die Behörden von Winter nicht behaupten wollen. Es fanden sich also dort sofort Agitatoren ein, und cs wurde vor allen Dingen dort jener berühmte Neben-Untersuchungsausschuß etabliert, der an Fälschung der Tbatfachen, an Zeugenbeeinflussungen und schlimmeren Dingen mehr geleistet hat, als man es in einem Rcchtsstaate für deutbar balren sollte. Es war ganz offenkundig, daß Zeugen, welche Vorladungen zu ihrer Vernehmung erbalten hatten, zunächst einmal sich bei Herrn Bruhn und seinen Eonsorten einstellten, das; sie erst dort vernommen wurden und erst dann nach dem Gerichte gingen, um ihre Aussagen zu machen. Natürlich werte ich Bruhn niu't vor, daß er Zeugen in unzulässiger Weise beeinflußt hätte — gewiß nicht — aber man denke nur — selbst wenn er eine solche Absicht gar nicht gehabt hätte —, was es heißen will, wenn man durch die Brille des Herrn Bruhn die Ereignisse erst sieht, ehe man sie dem Richter wiedergiebt. Und nun vergegenwärtige man sich, welches Zeugenmaterial dort vernommen werden mußte. Es wurden' einfache Leute vernommen, die wußten: da sitzt so ein Neben-Untersuchungsausschuß; da ist mir vor einiger Zeit einmal irgend ein — na, Sie verzeihen da-? harte Wort — irgend so ein Quatsch erzählt werden, denn anderes ist es ja nicht; heute Nackt im Traume ist mir eingefallen: da war von einem Messer die Rede; das könnte vielleicht Bezug auf den Wiuter'schen Mord haben: also zunächst zu Herrn Bruhn! Bei Herrn Bruhn wurde sestgestellt: Messer?! Offenbar ist es klar: das ist das Sckachtmesser. Der Mann weiß ja alles. 31m wurde der Behörde mitgekheilt: hier ist ein sehr wichtiger Zeuge. Es konnte nicht fehlen, daß er eine Vorladung bekam. Ebener hinging, wurde er noch einmal dort verhört, nud nun wurde der Mann von der Behörde vernommen. Male sich jeder aus, was da herauskemmen konnte. Es ist in der That bei diesem Verfahren erstaunlich, muß ich sagen, daß nicht irgend ein

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