Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 577 (sequence 7)
- Language
- German
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Kon iy. 577 ici) will ihn auch nicht schmähen, über die Toten soll man nur Gutes reden; aber ich hatte Gelegenheit, Ihnen vorzulesen, was für Feststellungen über das Leben dieses jungen Mannes der Staatsanwalt trifft, und da werden wir uns denn doch das Eine wohl sagen dürfen: Ein Rationalheld der Deutschen zu werden, darauf hatte eigentlich Winter keine Anwartschaft! Das musste er aber werden, denn man mußte beklagen, daß er getötet war, das Mitleid mußte rege werden. So wurde denn zunächst aus ihm eine Idealgestalt geschaffen: der arme unglückliche Deutsche, der ruchlosen Mördern — da klang schon durch: die nicht rechte Deutsche sind - - Zum Opfer gefallen ist! Die Beweggründe sind ja noch nicht ganz klar, aber Raubmord ist es nicht, das weiß man ganz genau, ein Lustmord gewiß auch nicht, denn wie tonnte man bei einem Alaune, wie Winter war, an Lustmord denken! Daß in Könitz sein Thun und Treiben stadtbekannt war, das fiel plötzlich ganz unter den Tisch: sr harte ein sittsames Leben geführt. Man unterdrückte, daß er einer der schlimmsten Don Juans gewesen war, die man finken konnte. Es wurde nun insbesondere der Tag seines Leichenbegängnisses auWnsehen, um eine imposante Kundgebung zu schaffen gegen — ja, gegen wen eigentlich? Gegen die Mörder natürlich! Wer die Mörder waren, wußte man nicht, aber die waren eben leicht beschafft. Der herrliche deutsche Jüngling wurde zu Grabe getragen unter Beschimpsungen und Flüchen gegen die elenden Mörder, die sich in den Reiben der Juden befanden! Es wurde in den antisemitischen Blättern verkündet. „Eine edle Abficht hegen die christlichen Frauen und Jungfrauen von Könitz, sie veranstalten Geldsammlungen zu einem würdigen Denkmal für Winter." — Ja, wäre die Sache nicht so verwünscht traurig, daß Einem alles buchen vergehen müsste: wenn man dies Moment betrachtet, ist es wirklich schwer, das Lachen hier zu verbeißen, schwer, keine Satire zu schreiben, wenn man das liest. Die deutschen Fran.cn und — Jungfrauen wollen Herrn Winter, diesen! Adanne. über den jetzt diese Feststellungen getroffen sind, ein Denkmal setzen! Aber, meine Damen und Herren, cs ist geschehen; man bat gesammelt und Winter hat sein Denkmal. Nicht, als ob ich ihn darum beneide - aber ich beneide auch wahrlich nicht die deutschen Frauen ur.d Jungfrauen, die dazu gesammelt haben und damit diesen Alaun als ihren Heiden erkoren haben! Das Ideal eines deutschen Jünglings mag dieser der Sinnenlust fröhucnde Schulbube nach den Anschauungen sein, die bei den Antisemiten herrschen: wir lieben unser deutsches Volk und Vaterland Zu sehr, um in einem solchen Jungen das Ideal des deutschen Schülers zu erblicken!