Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 575 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Könitz. O/Ö wickclung der Dinge nach jener Mordthat, dann lohnt es doch wohl, ein wenig hierbei zu verweilen. Wir werden uns fragen: wie konnte dieses Verbrechen, das an sich nicht mehr Interesse bot, als zahlreiche andere, eine so große Bewegung Hervorrusen, wie diejenige, deren Zeugen wir waren, die wir schaudernd witerlebt haben? Welche Umstande haben das veranlassen können? Welche Mittel sind angewandt worden, um die Bewegung hervorzurnsen? Und schließlich werden wir uns fragen müssen: Was lehren uns die Ereignisse, die wir erlebt? — Ich werde bei dem, was ich Ihnen verführe, mich möglichst der Sentiments enthalten, lediglich die Thalsachen sprechen lassen; denn diese führen im vorliegenden Falle eine weit beredtere Sprache, als sie mir Zn Gebote stehen könnte. Ich weide da, wo ich Ihnen Tbatsachen gebe, allerdings mich daraus beschränken müssen, Ihnen Beispiele anzuführen; denn, wenn ich Ihnen ein wirtlich erjchöpfendes Bild vorführen wollte, so würde wahrscheinlich der heutige Abend und eine ganze Reihe anderer nicht ausreichen, um Ihnen alles vorzutragen. Sie werden es daher begreiflich finden, wenn ich schließlich mit Goethe's Tasso Ihnen sage: „Ich weiß es wohl, noch bleibt cs unvollendet, wenn es auch gleich geendet scheinen möchte"; veilendet kann dieses Bild kaum werden. Wenn wir nach den Ursachen fragen, durch die diese Bewegung möglich war, so werden wir uns zunächst sagen müssen: es mußte ein geeigneter Boden da sein, ans dem an ein solches Ereignis sich solche Felgen knüpfen konnten, und ich will annebmen, der Zufall sei cs gewesen, der diesen Boden besonders vorbereitet finden ließ. Es war nämlich schon vorher, bevor die Moidthat geschah, im Februar — das Verbrechen selbst bat sich am N. März 1 Tu »0 zu getragen — und auch schon früher, eine lebhafte antisemitische Agitation in jener Gegend in Scene gesetzt worden. Es waren antisemitische Abgeordnete, Groß-' Agitatoren, Herr Bindewald, Herr Brubn, in dieser Gegend umhergereift. Sie hatten Versammlungen abgehalten, batten antisemitische Flugblätter verbreitet, um antisemitische Wissenschaft unter die Leute zu bringen. So war einigermaßen schon eine gewisse Erregung in Könitz und Umgegend, in der ganzen Provinz Westpreußcn kann man sagen, wach gerufen, die die Lenke schon ein wenig vorbereitet hatte sär die kommenden Ereignisse. Es kommt hier auch noch hinzu daß das Bildungsniveau der dortigen Gegend nicht als ein so hohes sich bewährt hat, wie man vielleicht hätte vermntben mögen. Ich spreche nicht davon, daß, wie überall, eine große Maste Ungebildeter sich auch dort findet, sondern ich meine, daß das Bildungsniveau auch der so-