Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 552 (sequence 4)
- Language
- German
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552 Im deutschen Reich. auch wenn daran, wie an den „Lustigen Blättern" Juden betheillgt sind, mit Vorliebe Witze über die Juden Zu bringen, zu welchen als Illustration Karrikaturen von Juden dienen. Das Hauptersorderniß einer Karrikatur, charakteristisch zu sein, erfüllen diese Zeichnungen meistens nicht. Die Urbilder, die diesen Zeichnungen ähnlich sind, sind unter Juden höchst selten anzutreffen. — Was uns veranlaßt, uns diesmal mit einer solchen Karrikatur zu befassen, ist folgender „Scherz": Bankdirektor zu seinem Sohn, der Düten klebt: „Recht so, mein Sohn, das wirst du als Bautdirektor einmal brauchen können." — Vater und Sohn entsprechen dem Bild, welches in antisemitischen Witzblättern von Juden gezeichnet wird. Und das in einer Zeit, wo die ins Gefängnis; gewanderten Bankdirektoren sämmtlich Girier, meist fromm und antisemitisch sind, llnd solche Zeitung heißt womöglich ein Judenblatt, dessen Taktlosigkeiten gelegentlich den Inden aufgemutzt werden." Wie die „Allg. Ztg. des Judenthums" mittheilt, ist der hier bei dem Hauptpostamt in der Spandauerstraße l5 Jahre hindurch beschäftigt gewesene Postsekretär Garl Borchardr aus Jastrow am 1. Oktober als Ober-Postsekretär nach Sonnenburg versetzt worden. Uebrigens bekleiden auch noch andere Beamte jüdischen Glaubens ähnliche Stellungen im Postdieuste. Erft kürzlich ist ein höherer jüdischer Postbeamter in den Ruhestand getreten; es ftnb aber jetzt neck einzelne Juden, wie der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" mitgetheilt wird, als Oberpostkasscnkassicrcr, Gencralpestkassenbuchhaltei, Postkassierer und Oberpostdirektionssekretär im Postdienste ihätig. Rach langem Krankenlager verschied in Eharlottenburg am 3. d. Mts. unser treues Vereiusmitglied, Rabbiner Ur. Salomon Hahn im Alter von 73 Jahren. Der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogen-Gememde Stolp i. P. widmen ihm einen Nachruf, indem gesagt wird: „Fast 34 Jahre hat der Verstorbene in unserer Gemeinde als Prediger und Lehrer mit vollster Hingabe an sein Amt in segensreicher Weise gewirkt. Nicht nur seine hervorragenden Eigenschaften als Kanzelredner und Lehrer, sondern die ganze geistige Bedeutung dieses Mannes und seine Bereitwilligkeit, sein Wissen jederzeit in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, haben ihm wohlverdiente Anerkennung verschafft". Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Stolp und andere Vereine veröffentlichen ähnliche ehrenvolle Nachrufe. Bei dem Leichenbegängnis; auf dem Friedhöfe zu Weißensee. das am 7. d. Mts. unter sehr zahlreicher Betheiligung stattsand, war sowohl die Sqnagogen-Gemcinde Stolp als auch die