Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 550 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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550 Im deutschen Reich. Rechtsanwalt Jüngst, Hans von Mosch, Dr. Böckel und Prof. Dr. Paul Förster empfiehlt als Losung dieser künftigen Liga bereits „Die arische Welt den Ariern" und verräth zugleich, daß ein Beauftragter französischer Antisemiten, der dieser Tage Berlin passierte, nachdem er in anderen Ländern mit Erfolg für diese Idee tbätig gewesen war, die Vorbereitungen für das große Werk in die Wege geleitet und auch in der RcichShauptstadt bereitwillige Aufnahme und Entgegenkommen gefunden habe. Uebrigens hat das Organ Drumonts „La libre paroleu schon in der Nummer vom 29. Sept. in einem „I/antisemitismo en Europe“ überschriebenen Artikel über: „Un interview du depute antisemito allem und, le Dr. Böckel^ spalteulang berichtet. Daß der für einen strammen „Teutonen" merkwürdige Versuch, den „Deutschen Volksbund" mit ausländischer Hilfe auf die Beine zu bringen, doch einigen Parteigenossen Bedenken eiriflöße, hat Dr. Böckel seinem Besucher nicht verheimlicht. Offenbar ahnte er schon, was auf dem 7. Parteitag der deutsch-sozialen Reformpartei sich ereignen werde. Dort hat eine sehr lebhafte Debatte über den „Deutschen Volksbund" des Herrn von Mosch stattgefunden, der nach den Ausführungen des Abg. Bindewald mit der Behauptung Anhänger zu fangen sucht, daß er, Redner, und Herr Zimmennann mit der Absicht umgehe, dem Volt'sbunde beizutreten. Gegenüber diesem Täuschungsversuche konstatiere er, daß der Volksbund den Antisemitismus nur dazu benutze, um Geschäfte zu machen, und daß dabei in Breslau, Berlin, Stettin und Magdeburg Mittel zur Anwendung gebracht worden seien, die höchst bedenklicher Natur seien. Er sowie die übrigen Abgeordneten warnten daher dringend vor dem Volksbunde und erklärten einmüthig, daß sie nie und nimmer etwas mit demselben zu tfum haben möchten. Wegen Aufreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten sollte am . 15. Oktober gegen den Grafen Pückler-Kl.-Tschirne und den Redakteur der „Staatsb. Ztg." Böckler vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I (Vors. Landgerichts-Direktor Koeller) verhandelt werden. Graf Pückler war aber nicht erschienen, es lag auch kein Entschuldigungsschreiben von ihm vor. Staatsanwalt Kanzow beantragte die Verhaftung des Grafen, da es scheine, als ob er jetzt gewohnheitsmäßig den gerichtlichen Vorladungen sich entziehe. Der weitere Antrag des Staatsanwalts, gegen den Angeklagten Böckler allein zu verhandeln, wurde abgelehnt. Der Gerichtshof beschloß Vertagung und Psorführung des Grafen Pückler zum nächsten Termin.