Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 549 (sequence 1)
- Language
- German
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549 Korrespondenzen. K Berlin, 20. Oktober. Der berühmte „Philosoph des Unbewußten", Dr. E. von Hartmann, der gewiß über den Verdacht der Voreingenommenheit erhaben ist, weil seine Schriften sogar in dem Antisemiten-Katechismus empfohlen werden, hat sich in einem aus Groß- Lichterfelde datierten Schreiben entschieden gegen die Ritualmord-Beschuldigung erklärt. Er sagt in jenem Schreiben: „Geist und Gesetzesbuchstabe der jüdischen Religion schließen jeden Mißbrauch an Menschenblut zu kultischen wie zu abergläubischen Zwecken unbedingt aus. Falls sich im Talmud Stellen finden sollten, die sich auf den entgegengesetzten Standpunkt stellen, so befänden sich deren Verfasser im Widerspruch mit dem Geist und Gesetzesbuchstaben der jüdischen Religion, und nicht minder diejenigen Juden, die sich auf solche Stellen stützen--wollen, um superstitiöse Handlungen zu rechtfertigen. Ob sich solche Stellen im Talmud Nachweisen lassen oder nicht, entzieht sich meiner Nachprüfung; ich meine aber, daß diejenigen unbefangenen Gelehrten, die es bestreiten, mehr Glauben verdienen als die antisemitischen Gelehrten, die es behaupten. (5s gehört mit zu den abergläubischen Neigungen des ungebildeten Volkes, daß es den Mysterien anderer Religionen mit geheimnisvollem Grauen gegenübersteht und in sie das hineinprojiziert, was in der eigenen Seele schlummert, aber sich nicht mehr ans Licht wagt. 'Wenn Gebildete diese Meinung schüren, um den Religions- und Rassenhaß zu steigern, so übernehmen sie damit eine schwere Verantwortung. Wer solches zu politischen Zwecken mit dem Bewußtsein der Unwahrheit thäte, beginge einen Frevel; wer trotz seiner Bildung sich vom Haß bis zu fixen Ideen verblenden laßt, kann damit freilich einen Umstand für sich geltend machen, der aber für seine Verantwortlichkeit kaum „mildernd" genannt werden durfte." Die Judengegner, welche beständig über den angeblichen internationalen Charakter des Judcnthums zetern, sind eifrig dabei, eine internationale Liga der Antisemiten in's Leben zu rufen. Die „Deutsche Hochwacht", ein journalistisches Unternehmen der Herren