Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 545 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 545 eigenthümlich berührt haben. Ein antisemitisches Blatt, Friedrich Langes „Deutsche Tageszeitung", wirst die sehr berechtigte Frage auf: „Wurden in dem Abgeordneten Heine alte Erinnerungen wach, Erinnerungen an die Zeit, da er in der Sturm- und Drangperiode der Vereine deutscher Studenten ein Verfechter der antisemitischen Studenten-Bewegung war?" Die „Staatsbürger Ztg." bemerkt dazu: „Wenn Herr Heine von den eingewanderten polnischen Juden spricht, die zum Dank für die empfangenen Wohlthaten uns ins Gesicht spucken: so beweisen alle jene Äußerungen, wie tief der Antisemitismus auch in die Reihen der Sozialdemokraten gedrungen ist. Daran ändert auch die Thatsache nichts, daß Herr Heine hinterher feine Worte abschwächte und sie damit entschuldigte, daß er in seinem Wahlkreise im Kampfe mit den Antisemiten stehe". Jedenfalls hat der Lübecker Parteitag das Gute gehabt, daß niemand mehr sich berechtigt fühlen wird, Judenthunl und Sozialdemokraten schlechtweg zu identifizieren. Die agrarisch-antisemitische „Deutsche Tageszeitung" ist sogar durch die in Lübeck gemachten Wahrnehmungen ebenso wie auch durch die strenge Feier der jüdischen religiösen Feste zu der Aeußerung veranlaßt worden: „Unsere Leser wissen, daß wir philojemitsichen Anwandlungen nicht leicht zugänglich sind, gleichwohl wünschen wir, daß unsere Stammes- und Religionsgenosien das Vorbildliche im Judenthume auf sich wirken lassen möchten". Auf den Lübecker socialdemckratischen Parteitag ist der Leipziger Parteitag der „Deutsch-socialen Reformpartei", d. h. der Antisemiten Zimmermann'scher Richtung gefolgt. Rach dem Bericht des Abg. Lotze rechnen sich im Reichstag zur Deutsch-sozialen Reform- Partei die fünf Abgeordneten Gabel, Gräfe, Köhler, Lotze und Werner und als Hospitant Herr Bccckel! (Zum Vorstand der Partei gehört aber außerdem noch der Reichstagsabg. Dindewald). Unter Hinzurechnung der drei aus der Partei ausgeschiedenen Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg, Raab und Müller (Waldeck), des neugewählten vr. Vogel und acht weiterer Abgeordneten, welche den antisemitischen Bestrebungen naheständen, war es möglich, eine Vereinigung zu bilden, um auch in die Kommissionen Vertreter zu entsenden. Initiativ-Anträge habe die Partei bisher keine stellen kennen, da die Licbermann'sche Richtung den von der früheren Gesammtpartei schon seit 1695 eingebrachten Antrag in Sachen der Einwanderung fremder Juden vorweggenommen hatte, ohne die „alten Kampfgenossen" mitunterzeichnen zu lassen, und weil der von der jungen Partei vorbereitete Jnitiativ-Antrag in Sachen des Ausverkaufsunwesens nicht die nöthigen Unterschriften der