Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 543 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 54 'S daß die Sache nun endgiltig erledigt und das UrLheil des Dresdener Landgerichts rechtskräftig geworden ist. „Der Prozeß Dewald — eine ernste Mahnung" lautet die Ueberschrist eines Artikels der Magdeburger antisemitischen „Sachsenschau", dessen Spitze sich gegen „den Juristen in hervorragender Stellung" richtet, welche „das Vorkommen von Blutmorden rundweg in Abrede stellt" und gegen den Professor Strack, dessen „Gutachten über das Schächten als religiöse Handlung" selbstverständlich denen unwillkommen war, welche für den „antisemitischen Thierschutz" agitieren. Die beiläufige Bemerkung der „Sachsenschau": „Allem Anschein nach werden die Juden jetzt versuchen, neue Prozeffe herbeizusühren", wird niemanden darüber täuschen, daß von jüdischer Seite nur Abwehr geübt wird und aggressives Vorgehen undenkbar ist. Wenn, um mit dem deutschen Dichter Schiller zu reden, „Gassenjungen ans den Gesetzen trampeln", werden die deutschen Gesetzeswächter auch ohne jüdische Mahnung ihre Pflicht thun. Der Prozeß Dewald ist tatsächlich eine ernste Mahnung, denn im Verlauf desselben ist vor einem deutschen Gerichtshöfe einmal öffentlich von einem hervorragenden christlichen Theologen bekundet worden, weß Geistes der berühmte Prager Professor Rohling ist, auf den sich der geistliche Volksredner aus Klopin und andere Antisemiten berufen, die keine Stelle des Talmuds lesen, geschweige verstehen können und trotzdem Schändlichkeiten in diesem Riesenwerk gefunden haben wollen, die sonst niemand darin zu ermitteln im Stande ist. Professor Strack erklärte öffentlich, „daß Aug. Rohling in seinen Unheiien über jüdische Litteratur und jüdische Religion zahlreiche Beweise seiner schimpflichen Unwissenheit gegeben, und daß er die den Laien blendende Fülle von Citaten aus der talmudischen und rabbünschen Litteratur theils aus Eijenmenger's „Entdecktes Judentbum" abgeschrieben, theils von anderen, besonders von Ahron Brimann (Pseudonym des Ueberläufers Dr. Justus) nachgewiesen erhalten hat. „Ich bin bereit, diese schwere Anklage vor jedem Gerichtshöfe zu begründen''. — Die Berliner Antisemitenpreffe hat angekündigt, daß trotz des Jefuitengcfehes der Jesuit Rohling nach Berlin kommen werde, um sich gegen den von Strack ihm öffentlich gemachten Vorwurf des Meineids und grober Fälschung zu vertheidigen. Ob er dies thun wird, bleibt abzuwarten. Als Dr. Bloch in Wien ihm dieselben Vorwürfe machte, nahm er zwar die Gerichte in Anspruch, zog aber vor der entscheidenden Verhandlung die Klage zurück. Die „Wiener Sonn- und Montags-Ztg." schreibt: „Man kann übrigens neugierig sein, ob Rohling es sich ruhig gefallen lassen wird, daß ihn Professor Strack — der ein