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Im deutschen Reich · 1901-10-01 · Heft 10 (Oktober 1901) · p. 541

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 10 (Oktober 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-10-01
Page
541 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 541 gestellt und in überzeugender Weise begründet worden. Bald nachdem der katholische Pole Leo Czclgolsz die Mörderhand gegen den Präsidenten Mac Kinley erhoben hatte, haben allerdings einige seiner Glaubens¬ und Stammesgenossen in Amerika in einer Versammlung behauptet, daß der Mörder der Sohn jüdisch-polnischer Eltern in Detroit im Staate Michigan sei. Diese auch durch deutsche, nicht-antisemitische Blatter weiter verbreitete tendenziöse Miltheilung ist aber vollständig unzutreffend; einer der Brüder des Attentäters, der in Znin bei Bromberg lebt, ist dort als Katholik polnischer Abstammung bekannt. Emma Goldmann, deren überspannte Vorträge den Czogolsz zur Mordthat verleitet haben sollen, ist zwar jüdischer Abstammung, hat sich aber, wie dies alle Anarchisten und gar manche Sozialdemokraten zu thun pflegen, längst vom Judenthum losgesagt, weil dieses im Gegensatz zu dem Antisemitismus mit anarchistischen Grundsätzen vollständig unvereinbar ist. Don jüdischer Seite hätte man der gefährlich :n Drelrednerin Emma Goldmann, falls ihre Mitschuld an dem Tode Mac Kinleys bewiesen worden wäre, jede gesetzliche Strafe gegönnt, besonders, wenn der Bericht des „Brooklyn Eagle" begründet wäre, daß sie als russische Spionin schon früher schweres Unheil angerichtet habe. Bemerkenswerth aber ist, daß ein Leipziger Blatt für sie eine andere Strafe wünscht; es schreibt: „Die praktischen Amerikaner dürften doch ein anderes Mittel finden, Emmas Erdenwallen um ein Beträchtliches abzukürzen. Die Bestie verdient nur das Schicksal der Bestie!" Das Mißtrauen gegen die geordnete Rechtspflege verläßt eben den Antisemiten nie! In diesen Kreisen ist überhaupt der Widerwille gegen eine ordentliche Rechtspflege merklich gestiegen, seit an Gerichtsstclle die .verausgabe der „Schachtpostkarten" Gustav Ad. Dewalds als eine Beschimpfung von Einrichtungen und Gebräuchen der jüdischen Religionsgesellschaft aufgefaßt wurde. Ihre Presse bezeichnet den Mann, der offenbar nur um Geld zu verdienen, gegen die jütische Religionsgesellschaft durch Verbreitung jener abscheulichen Karten in gräßlicher Weise aufreizte, als „ein Opfer der Unthat in Könitz". Das war er weit weniger als vielleicht ein Opfer des Beispiels solcher Parteigenossen,, welche etwas vorsichtiger und wahrscheinlich mit größerem Gelderfolg als er das traurige Ereigniß nicht nur für ihre Parteizwecke, sondern auch für ihr Geschäft auszunutzen verstanden haben. Am 23. September schrieb die „Berliner Zeitung": „Gestern früh wurde der Buchhändler Dewald, dem neulich wegen der Herausgabe seiner Schächtpoftkarten 6 Monate Gefängniß zudiktiert wurden, verhaftet. Dewald war seinerzeit wegen Beleidigung des Waarenhaus-

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