Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 539 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316686--08690-2328540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 539 hegten, es könne nicht auch einmal ein Jude ein Verbrechen begehen, sondern nur deshalb, weil Alles, was von antisemitischer Seite als Belastung für einen Juden vorgebracht wurde, sich als eitles Blendwerk erwies. Wer etwa dem Herrn Ersten Staatsanwalt Schweigger eine Voreingenommenheit für die von judenfeindlicher Seite Beschuldigten zutrauen wollte, würde zweifellos der Lächerlichkeit verfallen. Erst nachdem der letzte leiseste Hauch von Verdacht geschwunden war, hat derselbe neuerdings den Betheiligten mitgetheilt, daß er das Verfahren gegen den Fleischermeister Adolf Lewv und den Fleischergesellen Moritz Lewy wegen Mordes bezw. Theilnahme an diesem Verbrechen eingestellt habe. Hiervon hat er den Herrn Ersten Staatsanwalt bei dem Landgericht I zu Berlin zu den Strafakten wider Böttcher und Genossen I c M 65/00 (Prozeß gegen die Staatsbürger-Zeitung) in Kenntniß gesetzt. Nunmehr dürfte der Prozeß Fegen die „Staatsbürger-Zeitung" wogen verleumderischer Beleidigung von Behörden und Beamten wieder in Fluß kommen und seiner baldigen Entscheidung entgegensehen. Das Antisemitenblatt sucht trotzdem jetzt noch imürer die Behauptung aufrecht zu erhalten, daß die Konitzer Untersuchungsbohörden dafür verantwortlich seien, daß bisher die Ermordung Ernst Winters ungesühnt geblieben ist.- Unter der ironischen Ueberschrift „Es ist nichts herausgekommen!" schreibt es: „Jetzt, nach mehr alv IV2 Jahren, nachdem nun alles wieder seinen Gang geht, kann man der konitzer Bevölkerung ja auch das noch amtlich sagen, was sie längst wußte. Der Erste Staatsanwalt vr. Schweigger konnte allerdings nur noch wenig ausrichten, nachdem die ganze Untersuchungs-Angelegenheit vollständig verfahren war. Nachdem die Juden nun selbst frei sind, wird sich der ganze Troß nun rüsten zum Kampf gegen uns. Wir werden aber unsern Mann flehen, und manches, wovon die Oeffentlichkeit bis jetzt nichts erfahren, wird in öffentlicher Gerichtsverhandlung jetzt ans Tageslicht kommen." Wenn Herr Bruhn über die Konitzer Angelegenheit Dinge wußte, von welchen die Oeffentlichkeit bis jetzt nichts erfahren hat, dann trägt er die Schuld, daß den Urhebern der Konitzer Frevelthat Z'it zur Verwischung der Spuren blieb, daß die von ihm sicher nicht dringender als von allen Juden verlangte Aufhellung des traurigen Geheimnisses sich so lauge verzögerte. Hätte die Redaktion der „Staatsbürger-Zeitung" Beweise für die Schuld irgend eines Juden beibringen kennen, so hatte sie es längst gethan, längst thun müssen. Bisher hat sie aber nichts weiter geleistet, als ohne irgend einen Beweis unschuldige jüdische Bürger des Mordes zu zeihen, die Untersuchungs-