Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1901-10-01 · Heft 10 (Oktober 1901) · p. 532

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 10 (Oktober 1901)
Article
Geschichtliche Erinnerungen aus Pernambuco
Date
1901-10-01
Page
532 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316676-2316686-2328445--08682-2328533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

532 Im deutschen Reich. Diese verrichteten alle möglichen Arbeiten und sammelten dank ihrer strengsten Anspruchslosigkeit in kurzer Zeit einige Ersparnisse, die gut angewendet zu Wohlhabenheit führten. So erzählt uns eine Schrift aus jener Zeit von einem gewissen Juden Pitangal, „der im Jahre 1643 im Ueberflusse lebte, während er kurze Zeit vorher noch Holzkohle und Kokosnüsse verkauftes Im vollkommensten Besitz ihrer Glaubensfreiheit erbauten die Juden in Pernambuco zwei Synagogen, eine in Recife, die andere im Stadttheile Santo Antonio. Zu demselben Zwecke beabsichtigten sie auch den herrlichen Palast Friüurgo zu erstehen und boten dem Besitzer, dem Grafen von Nassau, eine bedeutende Summe hierfür. Auch einen Friedhof, der nur für Angehörige ihres Glaubens bestimmt mar, errichteten sie im Stadttheil Boa Vista. Dieser war unter der Bezeichnung „Jüdischer Friedhof" bekannt. Die Synagoge in Recife befand sich in einem Gebäude der Straße Vom Jesus, welches heute die Nummer 25 trägt. Diese Straße wurde damals Rua dos Judeus (Judenstraße) genannt, weil sie zum größten Theile von Juden bewohnt war. In demselben Stadtviertel gab es auch eine Praca dos Judeus (Judenplatz) und eine Praia dos Judeus (Strand der Juden). Diese Namen sind jedoch mit den Zeiten verschwunden. „— Die Juden", so erzählt Fernandes Gama, „nahmen eine beachtensw'wthe Stellung unter den freien Bewohnern Brasiliens ein. Ihr Handel war bedeutender als der der Holländer und Brasilianer, wodurch sie in den Stand gesetzt wurden, viele Zuckerplantagen zu erwerben und in Recife prächtige Gebäude zu errichten. Biele portugiesische Juden, aus Holland herüberkommend, suchten ihre Zuflucht in einem Lande, in dem sie ihre Muttersprache sprechen und ihren Glauben frei bekennen konnten. Sie widmeten sich den primitiven und charakteristischen Jndustrieen ihrer Nation; denn sie besaßen die Sicherheit, unter dieser toleranten Regierung die Früchte ihrer Arbeit genießen zu können. —* Die portugiesischen Juden, die schon vor dem Einfall der Holländer im Lande ansässig waren, vereinigten sich in den Synagogen ungezwungen mit ihren Glaubensgenossen. Aber die Hingebung und Eintracht, mit der sie ihren Gottesdienst verrichteten, erregten den Haß der Katholiken. Ja selbst die Holländer fingen an, ihr Augenmerk auf die Israeliten zu richten und, weniger liberal als ihre Gesetzgebung, wollten sie nicht, daß die holländische Toleranz sich auch auf Brasilien erstrecken sollte. Die holländischen Behörden gaben diesen privaten Ansichten, welche sie unzweifelhaft begünstigten, nach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.