Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Geschichtliche Erinnerungen aus Pernambuco
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 531 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316686-2328445--08681-2328532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Juden. 531 Mutterlandes entrannen. Von dem Statthalter freundlich empfangen, begannen sie verschiedene Industriezweige auszuüben, u. a. die Bebauung von ZuckerplanLagen, zu deren Einrichtung sie vorn Statthalter speziell verpflichtet wurden. Der unaufhörlichen Verfolgung, der Hinmordung Hunderter von Juden durch die zügellose Menge, die weder Alter noch Geschlecht berücksichtigten, schloß sich das schreckliche Jnquisitionsgericht an, das noch die Flucht der unglücklichen Israeliten beschleunigte und die kleine Kolonie, die bereits in Pernambuco bestand, schnell vergrößerte. So lebten die Juden daselbst inmitten der portugiesischen Bevölkerung, bis die habgierigen Absichten Hollands auf die alten portugiesischen Besitzungen in Amerika, wie sie sich bereits im Jahre 1624 durch den mißglückten Angriff der Stadt Bahia gezeigt hatten, immer deutlicher zu Tage traten. — Eine große Anzahl von Juden, die entweder gezwungen oder auch nur zum Anscheine das Christenthum angenommen hatten, waren aus Vorsicht nach Pernambuco geflüchtet, um den Martern der Inquisition in Portugal zu entgehen. Auf die Nachricht nun, daß dieses schreckliche Tribunal auch nach den Kolonieen verpflanzt werden sollte, glaubten sie sich verloren und faßten daher den verzweifelten Entschluß, die Holländer zu begünstigen. Unter der Herrschaft dieses Volkes konnten die Juden mit Sicherheit den weitgehendsten Genuß der Glaubensfreiheit voraussetzen, die schon ihre geflüchteten Glaubensgenoffen in Europa bei demselben Volke besaßen. So verschafften sie denn den Holländern alle nur möglichen Informationen über den Staat Pernambuco und hörten nicht auf, jene zu der so leichten und vortheilhafren Unternehmung anzuftacheln. Im Jahre 1630 rissen die Holländer Pernambuco an sich, und gleich daraus begannen die Juden der neuen Kolonie zuzuströmen. So bedeutend war ihre Einwanderung, daß die Juden einen großen Theil der fremdländischen Bevölkerung ausmachren, besonders im Recife*), wo sie sich mir Vorliebe ansiedelren. Da der größte Theil der Israeliten Vermögen mitbrachte, widmeten sie sich mit Beharrlichkeit dem Lhärigen und arbeitsamen Leben des Handels, der Industrie und der Handwerke. Zu gleicher Zeit trugen sie jedoch auch zur Vergrößerung der Stadt bei, indem sie eine große Anzahl von hohen, umfangreichen und gut eingerichteten Gebäuden errichteten. Auch mittellose Juden ließen sich in Pernambuco nieder. *) Der Stadttheil wird noch heute so genannt und ist der Sitz der bedeutendsten Geschäftshäuser Pernambuco's.