Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Geschichtliche Erinnerungen aus Pernambuco
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 530 (sequence 2)
- Language
- German
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530 Im deutschen Reich. sondern auch aus Abkömmlingen von solchen, lebten sie, verachte: und gehaßt, in besonderen Stadtvierteln, welche unter dem Namen judiarias (Ghetti) bekannt waren, und aus denen sie sich nach Einbruch der Nacht nicht entfernen durften. Außerdem waren sie verpflichtet, an ihren Kleidungsstücken Abzeichen zu tragen. Im 15. Jahrhundert begannen in diesem Reiche die Judenverfolgungen eine deutliche Gestalt anzunehmen und diese dauerten das ganze folgende Jahrhundert hindurch. Jede nur denkbare Art barbarischer Qualen, von den schrecklichsten Kerkern und grausamsten Behandlungen bis zu dem langsamen Tode auf dem Scheiterhaufen der Inquisition, hatten die Juden zu erdulden. Nachdem sie durch verschiedene Bestimmungen ihrer Freiheiten und Vorrechte beraubt, zum Tragen erniedrigender Abzeichen gezwungen waren und ihre Auswanderung aus dem Königreiche erschwert worden, war, erließ die portugiesische Regierung das Gesetz vom 17. November 1629, welches die Juden endgültig zum Verlassen des Landes aufforderte und den Verkauf und die Auflösung ihrer Geschäfte sowie ihres Besitzes bestimmte. Als die Inquisition in Portugal immer festeren Fuß faßte, und die Verfolgungen fortdauernd Zunahmen, begann bald eine ununterbrochene Auswanderung aus diesem Reiche; ebenso machte sich das Verschwinden beträchtlicher Geldmittel bemerkbar, die zum größten Theile nach Holland geschafft wurden, wo sich die Flüchtlinge mit Vorliebe niederließen. — „Syrien und die europäische Türkei", so erzählt Alexander Herculano, „nahmen täglich portugiesische Familien auf, die unter dem Schutz des toleranten Islams jene religiöse Freiheit suchten, die das Vaterland ihnen versagte. — ... Im Jahre 1554 gab es in Ancona allein nahe an 3000 portugiesische Juden oder solche von portugiesischer Abstammung. Auch in Ragusa, Ferrara und Venedig war ihre Zahl sehr groß. Viele müssen sich an anderen Punkten, wohin ihre verfolgten Brüder bereits Zuflucht genommen hatten, niedergelassen haben. England, Frankreich, besonders aber die Niederlande sahen ihren Handel und ihre Industrie verstärkt durch die Elemente des Reichthums, die das unüberlegte Haupt einer kleinen und verarmten Monarchie mit unsinniger Ausdauer aus seinem Lande verwies." — Auch in den portugiesischen Besitzungen Amerikas suchten die Israeliten Zuflucht, und Pernambuco war eine von ihnen, die gleich zu Anfang ihrer Kolonisation einen starken Zuzug jüdischer Flüchtlinge erhielt, welche auf diese Weise der religiösen Furie des