Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Das Ergebniß der Blutmord-Umfrage des germanischen Volksbundes
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 519 (sequence 6)
- Language
- German
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Das Cr^ebniö der Weil der eine $ut gebaut hat, kann der andere kein Narr oder Schurke gewesen sein. In Breslau hat der notorisch geisteskranke NaoLinaÄkandidat Bernstein durch — Nadelstiche Blut entzogen. Zn den übrigen Fällen ist vor Gericht auch nicht ein Schatten eines Beweises dafür erbracht worden, daß Juden als THLter in Betracht karren In Tanten und Könitz wurde dies ausdrücklich und mit besonLcmm Nachdruck von dem Oberstaatsanwalt hervorgehoben. Herrn Pfarrer Krösell war es Vorbehalten, den Fall in Smyrna noch ein Mal als Versuch eines Blutmordes aufzuüschen. Es ist längst festgestellt, Laß es sich um einen entlaufenen verbummelten Menschen handelte. Da man nicht annehmen kann, daß ein christlicher Pfarrer etwas wider besseres Wissen behauptet, so bleibt nur übrig, daß er eine derartige schwere Beschuldigung Andersgläubiger ohne genügende Information in die Welt setzt. Oder sollte er in der Zerstreutheit gehandelt haben, wie kürzlich, da er nächtlicher Weile sich in das Zimmer einer Wirthschafterm verirrte, die Tapeten bewunderte und zu 30 Mk. wegen Hausfriedensbruchs verurtheilt wurde? In dem Fall Polna wurde Hülsner nicht wegen „Ritual- oder Blutmordrs", sondern wegen Mordes aus ganz anderen Gründen verurtheilt. Warum soll es auch nicht unter Juden' verworfene Menschen geben, die einen Mord begehen? Freilich hat Br. Bö Lei neulich unter „großem Beifall" Lu einer Versammlung gesagt: „Daß als die ausführenden Kräfte nicht Juden selbst hervortreten, liegt im .Charakter des Juden, der lieber zu Mord anstistet, als ihn selbst ausführt." Das hindert Herrn Br. Böckel aber nicht, in seinem Surachten ein ausführliches Kapitel den „Mordjuden" Zu widmen und mit einem „reichen Material" jüdischer Morde aufzuwürton. ' Er wird doch aber zugestchen, daß Zur Todtung eines Menschen durch Schächtschnitt eine tüchtige Dosis kaltes Blut und Muth gehört. Man sieht: Darüber sind sich die Sachverständigen Ziemlich einig, daß es Blutmorde giebt, im übrigen aber gehen die Meinungen der Gelehrten in ergötzlicher Weise wieder auseinander. Die einen, Z. B. Krösell, bestehen aus der Bezeichnung „Ritualmord", andere verwerfen diesen Namen ebenso entschieden, z. L. Giese: „Unter Leu der Thüt Verdächtigen finden sich verhältnismäßig häufig jüdische KultrrLöeamLe, und das ist vielleicht die Ursache, warum man in solchen Fällen von „Ritualmord" spricht. Die Bezeichnung ist aber keine glückliche, weil sonst keine sicheren Anhaltspunkte für den rituellen Charakter solcher Verbrechen Vorliegen, und well auch die KultusLeamten anderer Religionsgemeinschaften sich oft durch