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Im deutschen Reich · 1901-09-01 · Heft 9 (September 1901) · p. 478

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 9 (September 1901)
Article
Berlin
Date
1901-09-01
Page
478 (sequence 4)
Language
German
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478 Im deutschen Reich. Schmerzenszeichen deuten wollen. Neben dieser- Sachlage muh aber noch hervorgehoben werden, daß allgemein sanitäre Verwaltungsfragen, welche gleichen Bedingungen im deutschen Reiche unterliegen, nur mißbräuchlich zur Entscheidung durch die Behörden kleinerer Städte gebracht werden können." Die Medizinische Zeitschrift „Medico" berichtet: „In Beantantwortung mehrfach an uns gerichteter Anfragen theilen wir mit, daß denjenigen Theilnehmern an der ärztlichen Studienreise, welche keine Neigung verspüren, den nicht immer gleicl^gastlichen Boden des Seebades Borkum zu betreten, Gelegenheit geboten wird, von Norderney aus wieder Anschluß an die Reisegesellschaft zu erlangen." Der „Jüdischen Presse", wurde mitgctheilt: „Der „Verein für innere Medizin" plant im Anschluß an seme Anfangs Oktober statifindende Versammlung einen Ausflug nach den oftfriefifd^en Nordseebädern Laugeroog, Nordernev, Borkum, Juist rc., zu welchem dreihundert Aerzte ihre Theilnahme bereits zugesagt haben. Auf die Mittheilung, daß die jüdischen Aerzte aus Furcht, in Borkum als Juden Insulten ausgesitzt zu sein, ihre Anmeldungen zurückgezogen hüben, ertheilte der Vorsitzende des Vereins, Herr Geh. Wedizinalrülh Prof. Dir. Leyden-Berlin, die telegraphische Weisung, daß der Besuch Borkums zu unterbleiben hat." Wir erfahren zu dieser Notiz, daß dieselbe zwar einige neben'ächtiche Unrichtigkeiten enthält, daß aber Borkum.mit Rücksicht auf seinen prononciert antisemitischen Standpunkt in der That von der Liste der zu besuchenden Bader gestrichen worden ist, Kicht weil jüdische Theilnehmer fürchteten, dort Insulten ausgesetzt zu sein — jeder Slein des Anstoßes sollte aus dem Wege geräumt werden — sondem weil sie es mit ihrer Würde nicht für vereinbar hielten, den Boden eines „stubenrein" bleiben wollenden Bades zu betreten. Diese Rücksichr glaubte sie nicht so sehr Borkum, wie. sich selbst schuldig zu sein. Der „Voss. Ztg." schreibt ein hiesiger Arzt: „Im Volderbad bei Hall (Tiro!), wohin ich mich, veranlaßt durch das hübsche KinZelsche Reisebuch, mit den Weinigen zur Sommerfrische begeben hatte, wurde mir durch zwei reichsdeutjche, protestantische Herten, mit denen ich freundschaftlich verkehrte (einen Oberbürgermeister und einen Rektor), am fünften Tage unseres Dortsems voller Empörung mitgetheilt, daß die überwiegend katholische und antisemitische GeieÜjchaft Demonstrationen und Insulte gegen uns plane, wenn wir nicht freiwillig das Feld räumten. Jene Clique hatte der Wirthin Zugleich gedroht, sie würden sämmtlich ihr Haus verlassen, falls sie die Juden Länger Lei sich beherbergte. Thränenden Luges bestätigte mir die freundliche

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