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Im deutschen Reich · 1901-09-01 · Heft 9 (September 1901) · p. 474

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 9 (September 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-09-01
Page
474 (sequence 11)
Language
German
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474 Hm weniger als der Mijsionsthätigkeit, trotzdem man die Ueberläufer, wenn sie spater entgleisen, doch immer wieder dem Judenthum an die Rockschöße zu heften versucht. Die antisemitische „Deutsche Zeitung" in Wien giebt dem menschenfreundlichen Wunsche Ausdruck: „Wir wären dafür, probeweise über jeden Neophiten „sämmtliche Wässer des Jordans" oder anderer Flüsse wegströmen zu lassen. Schaden könnte das nicht." Die bereits vor mehreren Jahren zum evangelischen Glauben bekehrte und durch den -Pfarrer Zimmerman» getaufte Wiener Börsenspckulantin Jenny Lackenbacher, welche vor wenigen Wochen ihrem Leben durch einen Sprung aus dem vierten Stockwerk ein Ende machte, nachdem sie durch verfehlte Spekulationen zu zahlreichen Betrügereien verleitet worden war, wird nicht nur von den vielen Opfern ihrer Schwindeleien, sondern auch von den meisten Wiener Blättern als eine „jüdische" Betrügerin bezeichnet. Das schreibt man', nachdem kurz vorher der Domherr und Kanonikus Peter Johann Mardyrosiewicz sich selbst der Staatsanwaltschaft mit dem reumüthigen Geständniß gestellt hat, eine Viertelmillion Kronen unterschlagen zu haben. Von diesem Manne berichtet die „Wiener Sonn- und Montag-Ztg.": „Mardyrosiewicz, in dem der Antisemitismus in Galizien einen der hingebungsvollsten und eifrigsten Förderer verliert — für die acht Monate zumindest, die er in beschaulicher wenn auch unfreiwilliger Zurückgezogenheit wird verleben müssen — hatte stets nur von den Juden als den geborenen und berufenen Trägern derKorruption gesprochen. (Das OöerlandeLgericht hat dieStrafe auflh^Jahr schweren Kerkers erhöht!) Die korrumpierende Macht des Antisemitismus hat sich auch im Falle des Kanonikus Mardyrosiewicz gezeigt. Wer von der Ueberzeuzung ausgeht, daß alle Fragen des Rechtes und der Humanität vom konfessionellen Gesichtswinkel aus betrachtet werden müssen, und daß es zweierlei Recht giebt, büßt allmählich auch die primitivsten Moralöegnffe ein." Dasselbe Blatt erzählt eine kleine Geschichte, aus der" eine sehr zeitgemäße Nutzanwendung zu ziehen ist. Ein Rabbiner sei in. einem Badeorte von einem Bischof gefragt worden, wie eS komme, daß der Antisemitismus so laute Bekenner finde, wenn die Juden wirklich nicht durch ihre Eigenschaften Anlaß zur Verfolgung gäben? Darauf habe der Rabbiner mit dem Hinweis auf die folgende altjüdische Sage geantwortet: „Als Moses die qualvolle Lage seiner Stammesgenossen in Egypten beenden und dieselben aus dem Lande führe» wollte, befürchtete er, ihre Flucht könnte durch das Bellen der Hunde — an denen das Land der Pharaonen überreich war — vereitelt werden. Moses beschwor daher den Größten unter de» Hunden, er möge, " EK-.-sa’

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