Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 9 (September 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-09-01
- Page
- 467 (sequence 4)
- Language
- German
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machen muß, eines Jugendbildners, der auch jüdische Schüler zu unterrichten hat, aber trotzdem in einer von ihm versüßten „Geschichte der Juden in Spanien und Portugal" die grausame Behandlung der Juden durch die Inquisition zu rechtfertigen sucht und in seinem Gutachten über die Mittel zur Verhinderung der „Blutmorde" die. unzweideutigen Worte fallen läßt: „Das geeignetste Mittel mochte ich mit Worten nicht angeben: es dürfte aber nur eins (und zwar ein radikales) geben; — denn die sogenannten KulLurstaaten scheinen zur Ausrottung oder auch nur Unterdrückung nicht im stände zu sein." Das heißt doch wohl: ein Mittel, dessen sich nur unkultivierte Völker bedienen! Dagegen erscheint das Gutachten des bekannten Tertlieseranten Zu den Glöß'schen blutrünstigen Bilderbogen, Mar Bewer, durchaus harmlos. Dieser Herr zweifelt nicht an dem Vorkommen von jüdischen Blutmorden, aber er legt denselben keine rituelle, sondern nivc eine medizinische Bedeutung, bei, weil er annimmt, daß die Juden die Homöopathie ein paar Lausend Jahre vor Samuel Hahnemann bereits kannten und die aus verdorbenem Blute herrührende Krätze durch gesundes Blut Zu hcjlen pflegten. Deshalb greift ihre Hand „stets an Stellen, wo das nationale Blut der Völker rein und unverdorben fließt, sehr wählerisch nach einer unschuldigen Seele." Dazu bemerkt die „Welt am Montag" witzig: „Eine unschuldigere Seele als die des viellicoenden Gymnasiasten Winter -konnten die Juden in Könitz anscheinend nicht finden. Die Inden sind nicht abergläubisch, sie sind nur ganz raffinierte Mediziner. Darum schlachten sie seit Mosis Zeiten bis zum heutigen Lage gelegentlich eine „unschuldige Seele". Darum fürchten sich auch alle Kinder vor den Juden. „Zu einer alten Kuh läuft ein Kind streichelnd hin, vor einem alten Juden läuft cs immer fort." So beweist Herr Lewer den Nitualmord, und so erklärt er ihn. Nun wird wohl niemand mehr daran zweifeln. Hoffentlich kommen die Bäcker, die infolge ihrer ungesunden Arbeit besonders stark an Krätze leiden, nicht auch auf Len Gedanken, Laß sie sich durch Abschlachten von „unschuldige?. Seelen" am besten kurieren könnten." Als von einer der größten Autoritäten aus diesem Gebiete herrührend, gilt dem- „Germanischen Volksbund" und der „Staatsbürger Ztg." Las Gutachten des Pastors Krösell aus Kloxin, der zwar keine Zeile des Talmuds zu Lesen vermag, aber aus Grund von Talmud- Studien, die er aus sehr zwnftllrasten sekundären Quellen schöpft, vielfach Vorträge in verschiedener: ländlichen Orten hielt und dabei die traurigen Aonitzer Vorfälle im antisemitischen Sinne zu erläutern suchte. Dre'jem gelehrten Herrn ist kürzlich das Mißgeschick begegnet, sich vor dem