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Im deutschen Reich · 1901-09-01 · Heft 9 (September 1901) · p. 465

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 9 (September 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-09-01
Page
465 (sequence 2)
Language
German
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UmschLU- 455 weit' die oberen Organe in Frage kämen — den Antisemiten etwas freundlicher gesonnen sein möchte. Wenn den lieben Juden manches harte Wort ins Stammbuch geschrieben würde, sei die Polizei stets pünktlich zm Stelle." Das AnLiftmitenblatr scheint demnach eine Vorliebe für die unteren Organe zu haben, deren glimpfliche £km> Heilung einzelner „urtheilsloftn Volksversammlungen" sie es vielleicht zu danken hatte, daß üntisemitische Redner einer strengen Lestrafung für „Stammbuch - Verse" .entgingen, welche hart genug an Aufreizung zu GewaltrhLttgkeitcn streiften. Wenn aber wahrschrüuich nur die Achtung vor dem Veyammlnngsrecht einzelne nicht zu Lcn „oberen Organen" gehörende Lramten verhindert haben mag, gegen solche redurrische EntMsuugcn sofort eiuzuschreiten, können die Antisemiten doch uumchstich anuuehin.cu, daß auch „die oberen Organe!' der Vermattung und Rechich-stege ihnen zu Gefallen ohne weiteres den Juden und dem Judeuthum den gesetzlichen Schutz versagen, den die Paragraphen I6ö und ISO des Strafgesetzbuchs nicht nur der Landesreligion und deren Oekcnnrrn verbürgen! Die Rechtsgleichheit bildet das Fundament ' des Staates, wie die Nächstenliebe dasjenige der Religion; gegen beide Grundsätze bäumt sich der Antisemitismus auf, welcher den Staat anarchistisch rmterwuhlt, indem er den Waffen Mißtrauen gegen Behörden und Widerwillen gegen Gesetz und Ordnung einimpft, der aber auch die Humanität Andersgläubigen gegenüber verhöhnt, durch Beschimpfung des^Altrn Testaments gleichzeitig den Glauben an die Lehren deS Neuen Testaments ins Wanken bringt und damit alle Heilwirkungen des ReligionsunLerrichts vernichtet. In der Vorrede zu feinem Werk „Dom Geist der EöräifHen Poesie" schrieb der fromme christliche Dichter I. O. Herder: „Der Grund der Lheokoste ist die Viücl, und der Grund des Neuen Testaments ist das Alte-. Unmöglich verstehen wir jenes recht, wenn wir dieses nicht vcrstchru: denn Las ChristenLhurn ist aus dem Judenthum hervorgegan.^u; der Genius der Sprache ist in beiden Lüchcm derselbe. Sammwt man den Ncichchum jenes (LcZ Alten Testaments) in sich; und sscnwird auch in'Rosem (dom Plenen) teilt leerer, geschmackloser oder gar entweihender Schwätzer werden." Die Nichtigkeit dieses Satzes wird durch die meisten cmwstmitzschen Redner bewiesen, denn mit der Anfeindung des JudenchnSs pstcgen solche geschmacklosen und entweihenden Schwätzer zu beginnen, aber sie bleiben dabei nicht stehen; sie verfolgen mit demselben Haffeauch Staat und Kirche, welche LKre nicht von dem göttlichen Gesetz, nicht von Ordnung und Sittlichkeit loszulöftn sind. So oft die Antisemiten nur esu wenig die täuschende

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