Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 9 (September 1901)
- Article
- Offener Brief an Herrn Pfarrer Wilhelm Krösell in Kloxin
- Date
- 1901-09-01
- Page
- 455 (sequence 6)
- Language
- German
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„Daß cS Jude» giest, dir Christenblut gebrauchen, lehrt die Geschichte, besonders: Polna". Das Wort Ritualmord in Olui-uord zu verwandeln, verbieten wichtige geschichtliche SRcseiüe." Daß cs einen Ritualmord nicht giebt, kann weder der Professor Strack noch der Erzbischof Kopp beweisen." Es ist wahr; es Hst Ritualmorde gegeben, und zwar irr weit größerer Zahl, als Sie in Ihrer Milde anzunehmen geneigt sind. Ich bin auch mit Ihnen einverstanden, daß das Wort „Blutmord" nicht die richtige Bezeichnung ist, und daß „Ritual-" oder „Glaubensrnord" ein richtigerer Ausdruck ist. Gestatten Sie eine kleine Epcursion in die Geschichte. Zur Zeit des ersten KreuzZuges (1096) zogen, durch den Rus begeistert, „Gott will es haben", Tausende von Christen zu einem blutige» Kampf hinaus nach dem heiligen Lande. Zügellose Schaaren, trunken von dem Wahn, daß ihr Thun gottgefällig sei, sammelten sich in Nordstankreich und Deutschland. Ihre ersten Thaten bestanden darin, daß sie über friedliche Zudengenrcinden in den rheinischen Städten Hersielen, um sie mit Feuer und Schwert zur Taufe zu zwingen, oder sie dem Untergänge preiszugebrn. Ganze Gemeinden wurden hmgemordet oder gaben sich selbst mit dem größten Heldenmuth den Tod. Mit dem Errcheitsbekenutniß auf den Lippen, starben zu WormZ und an anderen Orten Kinder durch die Hand ihrer Mütter, warfen sich Frauen und Jungstauen, um der Schande zu entgehen, mit Steinen beschwert in's Wasser. Mehr als tausend Leichen trug man aus den: bischöflichen Palast zu Mainz, wo den Verfolgten, nachdem sie alle ihre Habe als Lösegeld gegeben, eine Zuflucht geboten war, bis die frommen Wallfahrer kamen und die Wehrlosen hinschlachteten. Von Mai bis Juli 1097 sind in den rheinischen Städten 12 060 Inden ans diese Weise hingcschlachtet worden. Noch schrecklicher war das Loos der Osmanen; von den Treppenstufen der Moschee Omars welche auf Moriah emporragt, floß das Blut von Tausenden erschlagener Moslemen. Ebenso erging es den Juden in Jerusalem. Das alles waren Glaubensmorde, verübt sä msforsm äsi gloriam, von Ihren christlichen Glaubenöbrüdern, die mit dem „Symbol der Liebe" ausgcstattet, kalten Blutes Hunderttausende (Sie dürfen dies buchstäblich nehmen) unschuldige Menschen, wehrlose Frauen und Kinder, hinschlachteten — hören Sie! — buchstäblich hinschlachteten! Damals zog ein dem Kloster entlaufener Mönch, Namens Rudolph, von Ort zu Ort und predigte mit fanatischem Eifer Haß