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Im deutschen Reich · 1901-09-01 · Heft 9 (September 1901) · p. 456

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 9 (September 1901)
Article
Offener Brief an Herrn Pfarrer Wilhelm Krösell in Kloxin
Date
1901-09-01
Page
456 (sequence 7)
Language
German
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gegen die Jude«?-» Seine Reden hatten überall den gewünschten Erfolg, wie ich durch obige Zahlen bewiesen habe. Damals war es ein Mönch, heute ist es ein protestantischer Dorfpfarrer, derselbe Faden, nur eine andere Nummer, denn wahrlich anch Sie hätten denselben Erfolg, wenn die Furcht vor der Obrigkeit heute nicht wirksamer wäre, als vor acht Jahrhunderten. Abgesehen von diesen zahllosen und thatsächlichen Ritualmorden, denen Sie die hunderttausend Opfer der spanischen Inquisition unter Carl V. und VHMPP IIzuzählen können, ist das Märchen des Ritualmordes viel älter, alö Sie in Ihrer Naivität ahnen. Die Beschuldigungen richteten sich Anfangs gegen die Christen. Ich bin bereit, Ihnen Beläge dafür aus der patristrscheu LiLLeratur zu nennen, worin sich die ersten Kirchenlehrer gegen diese Blutbeschuldigung wehren. Es hat aber,weder damals noch heute wahnsinnige Juden gegeben, die derartige Märchen geglaubt, oder gar verbreitet haben. Der Krieg in China ist durch die Ermordung der Missionäre veranlaßt, weil diese bei den Chinesen im Verdacht standen, daß sie zu ihrem „Abendmahl" das Blut von heidnischen Kindern gebraucht haben. Mir ist aus der neueren Geschichte nur ein wirAicher Ritual» mord bceannt, wo tm vorigen Jahre protestantische Bauern in Holland ihren GlaubenZgenOffen schlachteten, um Len Teufel aus ihn: herauszutreibcn. Unter Juden ist ein solcher Mord nie und nirgends v o rg e ko ur m e n, auch in Bolna hat der oberste Gerichtshof religiöse Motive deutlich und ausdrücklich ansgeschieden. Und trotzdem behaupten Sie mit kühner Stirn in These 14—IS, daß Juden in Könitz die Thäter gewesen sind. Entweder Sie wissen mehr von diesem Morde als die Kriminalpolizei, dann ist es Ihre st-sticht, den Thäter p nenne«, oder Sie haben, sei cö wissentlich, sei es fahrlässig die Unwahrheit gesagt. Ich aber sage Ihnen — und damit Will ich meine Erwiderung schließen, — wer Beschuldigungen erhebt, ohne sie erweisen zu. tonnen, verstößt gegen Gottes Gebot: „Du zollst rein falsches £ •: p-'tz reden wider Deinen Nächsten". Sehe» Sie zu, Herr Pfarrer, -.:..d prüfe« Sie sich wohl, ob Sie vor unser aller höchstem Richter der Sünde gegen dieses Gebot nicht schuldig befunden werden. Berlin, bi. Johannisstraße 4. Prediger Lion Wolfs. «ZS

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