Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 9 (September 1901)
- Article
- Oberlandesgerichtspräsident Hagens in Frankfurt a. M. und der Antisemitismus
- Date
- 1901-09-01
- Page
- 447 (sequence 5)
- Language
- German
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ORrlauLwgcrichtSpräsidenL Hägens und der Antisemitismus. 447 scheideue Vermögenslage ihnen einen Aufenthalt außerhalb des Elternhauses nicht gestatten würde, eben ungefordert gegeben worden sein. Nach alledem bleibt noch mancher Zweifel zu lösen, und ehe Herr Präsident Hägens oder sein einziger amtlicher Vorgesetzter dies nicht gethan hat, werden mit uns noch manche Fach- und Gesinnungsgenossen im Interesse des Ansehens der Preußischen Justizverwaltung wünschen, daß ihr der Beweis gelingen möge, sie sei frei von jedem Vorurtheil auf konfessionellem Gebiete. Ueber die fehlenden Besörderungsaussichten jüdischer Richter sprechen wir vielleicht ein anderes Mal. Aber die A:.'süildungsnwglichkeit darf unserer Meinung nach Niemandem genommen oder beschränkt werden, der sich dem Dienst der Gerechtigkeit widmen will. Schon die Freiheit der Anwaltschaft erfordert es, daß den Referendaren die Möglichkeit ihrer Vorbildung nicht übermäßig erschwert wird. Werden sie wegen Ueberfüllung in ihrer Heimathsprovinz abgewiesen, so müßte ihnen, das verlangt die Billigkeit, die Möglichkeit eines Rücktritts qus anderen Provinzen stets offen gelassen werden. Dazu würde es gehören, daß nicht neue Referendare, auch solche aus anderen Provinzen, äugest eilt oder übernommen werden, bevor der einheimische Ersatz Zweckentsprechend und seinem Wunsche gemäß untergebracht ist. Es wäre eine wunderbare Einführung in den Tempel der Justitia, wenn ihre Jünger beim ersten Schritt empfinden sollten, daß in Preußen nicht gleiches Recht für Alle gilt. Die ALgewiesenen wandten sich zunächst den NachbarbeZirken zu. Die Präsidenten Hamm in Rom, der verstorbene Dr. Falk in Hamm und Dr. EcciuS in Kassel haben einzelne übernommen, schließlich aber erklärt, daß sie doch Leinen Salon der von Herrn Hägens ZurüLgewiesenen eröffnen könnten. Die Akten aller dieser Oberlandesgerichte würden eine deutliche Sprache führen, wenn sich der Justizminister daraus unterrichten wollte. Und weiter: Die Zugehörigkeit zum Bezirk schloß für Juden ihre RüLweifung nicht aus, weil der Bezirk „iÜJcnüui* fei; dabei wurden aber Monat für Monat neue Referendare angestellt, ohne daß Len Zurückgcwiesencn etwa eröffnet wurde, daß sie warten könnten, bis Lurch Beförderung, Versetzung oder in anderer Weise Raum für sie geschaffen sei. Auch hier stehen Zahlen und Namen zur Verfügung, auch hier kann der Herr JusiiZnümster Alles durch die Akten erfahren. Aber- Herr Hägens erfand noch eine neue Art, welche, ohne im Reglement vorgesehen. Zu sein, jüdischen Kandidaten die Meldung