Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1901-09-01 · Heft 9 (September 1901) · p. 448

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 9 (September 1901)
Article
Oberlandesgerichtspräsident Hagens in Frankfurt a. M. und der Antisemitismus
Date
1901-09-01
Page
448 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2316602-2316676-2316685-2328270--08528-2328352
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

in seinem Bezirk verleidet hat, wir sagen nicht „verleiden sollte". Er schreibt aus die Meldung zum Referendar etwa folgendermaßen: „Zu Ihrem Gesuche sehe ich noch einer Erklärung Ihrerseits entgegen, ob Sie beabsichtigen, nach bestandener großer Staatsprüfung zur Rechtsanwaltschaft oder zu einem anderen Berufe überzugehen oder ob Ihr Streben auf spätere Anstellung als Richter gerichtet ist. Bei der Ueberfüllung des Bezirks mit Referendaren und der großen Zahl .der auf Anstellung im .Staatsdienste wartenden Assessoren, kann die Neuaufnahme von Kandidaten, welche sich dem Staatsdienste.widmen wollen, im dieöfcUkcn Bezirke zur Zeit nur in beschränktem Umfange statlsinden." Wenn die Kandidaten hierauf erklärten, daß ihr Streben eine Anstellung im Staatsdienste nicht ausschloß, wurde ihre Ernennung zürn Referendar verweigert. Immerhin giebt es im Bezirke des Herrn Hägens eine Anzahl von Referendaren, welche die geforderte Erklärung abgegeben haben und dann Zunächst ausgenommen worden sind. Möglich, daß sich hierunter der Parität halber auch ein Christ befindet; überwiegend werden es Juden sein. Das Verfahren des Herrn Hägens ist nun Gegenstand der Erörterung in der Tagellpresse geworden, weil es aussiel, daß gerade jüdische, im Frankfurter Bezirke einheimische Referendare in anderen Landestheilen in bemerkenswerther Zahl auftauchtsn. Dieses Arrftauchen konnte, wie gezeigt, dreierlei Gründe haben: Zurückweisung wegen RichLZugehLrigkeit, wegen Ueberfüllung oder wegen Zu hohen Streb en§. Daß auch - mancher Frankfurter Kandidat, der sich einen Korb nicht holen wollte, Herrn Hägens erst gar nicht bemühte, sondern direkt nach außerhalb ging, wird Niemanden befremden. Ebensowenig wird es auffallen, daß, als die Anfrage deck Herrn Hägens nach dem Streornsziele des Kandidaten bekannt wurde, einzelne Kandidaten der Einfachheit halber ihre Absichten schon von Vornherein ungefragt kundgaben. Herr Hägens sah sich auf Anzapfungen in der Lügespresse nun genöthigt, folgende, im wesentlichen den ThatLestand bestätigende Berichtigung zu erlassen:- 1. „Bon den im Bezirk des OberlandesgerichtZ angenommenen 2-L9 NefrronLaren gehören nicht weniger als 42 der jüdischen Religion an. 2. DerMndrang zur Justiz,- namentlich. seitens' der jüdischen . Kandidaten, ist hier 'äußerst aroL In Folge dm Leber-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.