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Im deutschen Reich · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. 413

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-08-01
Page
413 (sequence 9)
Language
German
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Umschau. In Oesterreich, wo der Antisemitismus Lurch Leu Beistand der Klerikalen zu einer bevorzugten Stellung gelangt ist, bat sich nicht nur seine Regierungsunfähigreit deutlich bewiesen, sondern diejenigen, die ihn erst in die Höhe brachten, empfindlich geschädigt. Das Verganische Wiener „Deutsche Volksblatt", welches die Sache der christlichsozialen Partei und des Wiener Oberbürgermeisters Dr. Lueger vertritt, eifert deshalb jetzt weit heftiger gegen den antisemitischen Radikalismus als gegen die Juden. Es sagt: „Der Wiener ist kein nordööhmischer Student, der sich von dem „Los von Rom"-Geschrei betölpeln läßt, denn er weiß sehr,gut, daß dieses „Los von Rom" sich sofort in ein '„Los von Oesterreich"-Gebrülle ändern würde, wenn die Schönerianer und Wolf-rauer je die Majorität erlangen würden, und nichts ist dem ehrlichen Wiener so gründlich verhaßt, als die Verrätherei'an seiner Vaterstadt und seinem Vaterlande." Aber die in dem Wiener Stadttheil Favoriten erfolgte Wahl des Sozialdemokraten Dr. Adler, der jüdischer Abstammung ist, zum Mitglied des niederösterreichischen Landtages hat gezeigt, daß auch in Wien selbst die Stellung der christlich-sozialen Parteizu wanken beginnt. Diese Partei bat nun ihren Besitzstand gegen drei Fronten Zu vertheidigen: gegen die Reste der alten liberalen Fraktion, gegen die Sozialdemokraten und gegen die ^als „Schönerianer" bezeichneten radikalen Antisemiten. Die Kampfesfreudigkeit, welche Dr. Lueger jetzt noch Zur Schau trägt, kann niemanden darüber rauschen, daß es mit seiner Herrlichkeit rasch bergab geht. Trotzdem der niederöfterreichische Landtag das Lehrcrvensionsgesetz beschlossen hat, nahm der in Klosterneuburg versammelte E niederöfterreichische Landeslehrertag entschieden gegen die im Landtage noch allmächtige antisemitische Partei entschieden Stellung, weil der österreichische Lehrerstand sich verpflichtet hält, nicht nur seine materiellen Interessen Zu wahren. Der hohe katholische Klerus in Oesterreich ist mit dem Gang der Dinge erst' recht unzufrieden, denn er hat das christlich-soziale Regiment nicht dazu groß werden lassen, daß schließlich .der radikale Antisemitismus zur Herrschaft gelange und die Rassenhetzer Orgien feiern. Als kürzlich der Olmützcr Fürstbischof Dr. Kohn sich auf einer Inspektionsreise im Sternberger Dekanat befand, wurde m der Sitzung des Sternberger Gemeindeausschuffes ein Antrag auf Unterlassung jedes feierlichen Empfanges nur mit knapper Mehrheit abgelehnt. Eine große deutsche Versammlung nahm am Tage darauf eine Resolution an, die. allen Gemeindevertretern, welche für den Empfang gestimmt hatten, die schärffte Mißbilligung aussprach. In Ttarnau kam es anläßlich der Ankunft des Fürstbischofs zwischen dessen Anhängern und Gegnern zu heftigen Thätlichkeiten. Die Behauptung,

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