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Im deutschen Reich · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. 412

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-08-01
Page
412 (sequence 8)
Language
German
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412 Im deutschen Reich. Eine religiöse Partei wie das Centrum hatte eigentlich auch längst erkennen müssen, daß der Antisemitismus; der einen ansehnlichen Theil des deutschen Volkes wegen seines religiösen Bekenntnisses anfeindet und dieses in schändlichster Weise verleumdet, nothwendig zur Irreligiosität führen und das von dem Semitenthum nicht loszulösende Christenthum ebenfalls empfindlich schädigen müsse. Erst als die von dem „chauvinistischen Nationalismus" der Antisemiten entflammte studierende Jugend am Anfang dieses Sommers den altheidnischen Gebrauch der Sonnenwendfeuer wieder aufnahm und die a; ^semitische Presse über diese Feier des Laugen und Breiten berichtete, ging dem Centrumsorgan „Germania" ein Licht auf, daß die von den sogenannten „Nationalen" angezündeten lodernden Feuer dazu bestimmt seien, den „Ultramontanen" heimzuleuchten. Die' „Gennania" klagt: „Noch., mehr aber ist es zu bedauern, daß die akademische Jugend in diese neu-heidnische Sonnenwendfeier, die doch bei dem „Naturgottesdienst" der alten Germanen eine religiöse Feier darstcllte, unter diesem oder jenem äußerlichen Vorwände oder Anlässe hineingezogen wird." Aber das ultramontane Blatt wendet -sich mit dieser Klage an die Unrechte Stelle, nämlich an seine ehemaligen antisemitischen Freunde, in der trügerischen Hoffnung, diesen die Freude an dem Umsichgreifen des Heidenthums zu verleiden. Das Blatt glaubt diesen Zweck dadurch zu erreichen, daß es ohne den Schimmer eines Beweises die jüdischen Schriftsteller beschuldigt, die altgermanische Wintersonnenwende als das Vorbild des christlichen Weihnachtsfestes dargestcllt und auch die Sommersonnenwende mit orientalischer Phantasie verherrlicht zu haben. Das ist der Gipfel der Verblendung, denn dem „Juden aus Ueberzeugnng" gilt das Christenthum als eine Tochter-Religion des Judenthums; ihn mahnt das Weihnachtsfest mit seinem Strahlenglanz nicht an altgermanische Bräuche, sondern an das Lichtfest der Makkabäer; er sieht in dem Wiederaufleben des von Bonifacins und Karl dem Großen so thatkräftig bekämpften nordischen Heidenthums das folgerichtige Streben der Semitenfeinde, zur leichten Erreichung nächtlicher Zwecke das Licht aus Osten wieder auszulöschen.. Der österreichische antisemitische Abgeordnete Georg Schönerer hat nicht ohne Grund vorher angekündigt, daß er seinen Uebertritt zum Protestantismus am Tage der Sommersonnenwende bewirken werde. Ihm und seinen Genossen ist eben der Kampf gegen das Judenthum Nebensache, die „Los von Rom"-Bewegung dagegen Hauptzweck. Das Gebühren der katholischen „Germania" und ihrer judenseindlichen Hintermänner erinnert ebenso wie das mancher antisemitischen protestanLischer Orthodoxen an den Sah:. „Augen haben^sie und sehen nicht, Ohren und hören nicht!"

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