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Im deutschen Reich · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. 409

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-08-01
Page
409 (sequence 5)
Language
German
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UHlViuU. 409 trübenden Verhältnisse sollten. unseres Erachtens es den Anklagebehörden zur Pflicht machen, nur in 'solchen Fällen Anklage Zu erheben, wo der SchuLdbeweis mit vollkommener Sicherheit geführt werden kann und nicht allein von dem Eide eines mehr oder minder zuverlässigen Zeugen abhängt. Es giebt im preußischen Staate sogenannte Meiueidscentren, die den Juristen wohl bekannt sind und in denen der Beweis durch den Eid als ein oft fraglicher angesehen wird. Könitz dürfte jetzt zu diesen gehören, und diesem Umstande, d. h. der geminderten Beweiskraft des Zeugeneides sollte von den Anklagebehörden bis Zu einem gewissen Grade Rechnung getragen werden. Daß dem so ist, ist schlimm genug, aber es giebt ThaLsachen, mit denen man wohl oder übel rechnen muß". Jeder ,-,Jude und auch jeder Christ aus Ueberzeugung" welcher das Judenthum kennt und unbefangen bemtheilt, ist sicher auch davon überzeugt, daß es nie einen jüdischen Nitualmord gegeben hat und nie geben konnte, daß Leopold Hilsner, falls er nicht das Opfer eines Justizirrthums geworden ist, tatsächlich dem Wortlaut des Erkenntnisies entsprechend, bei Polna einen Lustmord, aber keine Unthat aus religiösen Beweggründen verübte, daß schließlich Ernst Winter in Könitz aller Wahrscheinlichkeit nach bei einem seiner zahlreichen Liebesabenteuer umgekommen ist und der Mörder nur deshalb der sühnenden Gerechtigkeit bisher entging, weil der durch die Geschäftsantisemiten entflammte Pöbelwahn die Lösung des traurigen Räthsels nahezu unmöglich machte. Knüpft die antisemitische „Deutsche Wacht" an die Derurtheilung Schillers neue Ritualmord-Andeutungen und die Forderung, daß aus dieses Prozeßergebniß hin weiter in das Dunkel des Judenthums hineingelcuchtct werde, „daß der Kaiser nicht nur Zur See sein „Nun aber weiter!" ertönen laffe", so dürfte dieser Wunsch kaum anderswo als in dem Lager derjenigen laut werden, die zu den Hyänen des Konitzer Schlachtfeldes gehören. Jeder menschlich Fühlende wird sich mit Grauen von dem Abgrunde abwenden, in dem schon so vieles LcbeusglüL versunken ist, und nur den Wunsch hegen,' daß sich diese Kluft durch ein mächtiges „Quos ego“!, „Bis hieher und nicht weiter"! schließe und deutschen Bürgern, die sich offen und ehrlich als „Juden aus Ueberzeugung" bekennen, der Schimpf erspart bleibe, daß freche Buben straflos ihre Religion der Anleitung Zu den enrsetzlichften Verbrechen zeihen dürfen. Wie es mit der monarchischen Treue der Antisemiten bestellt ist, wenn sie nicht die Staatsgewalt zur Erhaltung ihres traurigen Geschäftes zu bewegen vermögen, rann an den leitenden Stellen kaum unbekannt sein, wenn auch die Scheu vor antisemitischen Der- I « „.--J

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