Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 410 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316684--08447-2328219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
leumdungen cm manchen Stellen noch nicht ganz gewichen und noch immer der antisemitische Terrorismus bei einzelnen Behörden nicht ganz ohne Wirkung zu sein scheint. Aber die Führer der judenfeindlichen Parteien lüften die loyale Maske so oft, daß diese kluge Männer niäst mehr täuschen sollte. Im hessischen Landtage brachte kürzlich der agrarisch-antisemitische Abgeordnete Köhler, dem die Antisemiten die Bürgermeisterstelle in Langsdorf verschafft haben, eine Interpellation ein, in welcher sich folgende aufwiegelnde Sätze befanden: „Im Winter und Frühjahr des Jahres 1900/01 wurde seitens der Civil- und Militärbehörden bei den landwirthschastlichen Vereinen des Landes die Anfrage gestellt, zu welcher Jahreszeit der Bauer am ehesten zur Reserve- und Landwehrübung abkömmlich sei. Die Bezirksvereine der landwirthschastlichen Vereine kamen wohl zu widerstreitenden Schlüffen, so ganz und gar traumverloren war jedoch Keiner, um die Zeit inmitten der Getreideernte als die geeignetste zu bezeichnen. Diesen Zeitpunkt zu ermitteln, blieb allein den königlich preußischen Militärbehörden Vorbehalten. So werden denn jetzt, mitten drin in der Getreideernte, am 18. Juli bis 2. August, im .Großherzogthum die Landwehrmänner des ältesten Jahrgangs zur Hebung eingezogen sein. Kein anderer tritt derweilen an ihre Stelle, denn wer möchte zu heutiger Zeit, da der Jude Ballin noch immer nicht an seiner richtigen Stelle steht, noch Bauernarb eit thun? . . . . Die Belästigungen des Bauernstandes nehmen auch noch einmal ein Ende, aber kein gutes. Diese Zeit ist gar nicht mehr so weit, als sich die Herren in Berlin denken mögen; trotz aller großen Sprüche, trotz Bajonette, Pulver, Kartätschen und Säbel! — Es ist heute die schwerste Verpflichtung der einzelnen Bundesregierungen geworden, mit klaren! Blick die Dinge, wie sie gegenwärtig im Reich wirr durcheinander kreuzen, genau zu durchschauen und ihrem irrsinnigen Treiben gemeinschaftlich mit fester und zielbewußter Hand ein Ende zu machen, ehe es gänzlich zu spät geworden ist". Dieser antisemitische Reichstags- und Landtagsabgeordnete Köhler, der besonders den Landleuten in Hessen gegenüber eine ebenso preußenseindliche Sprache, wie der bekannte Abgeordnete Br. Sigl in Bayern führte, gehört trotzdem zu denjenigen antisemitischen Bauernsührern. die theils absichtlich, theils unbewußt dem „Bunde der Landwirthe" in - die Hände arbeiten. Ändere'Ansichten suchte in Heffen kürzlich der ehemalige Hosprediger Stöcker zu verbreiten, der u. a. in Frankenberg am II. Juli in einer Versammlung der Christlich-Sozialen einen Vortrag hielt in welchem er ausdrücklich erklärte, daß er sich nur deshalb von der