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Im deutschen Reich · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. 406

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-08-01
Page
406 (sequence 2)
Language
German
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406 Im deutschen Reich. wcrthig macht, erweist sich in manchen Fallen als recht nachtheilig, aber die „Geschäftsantisemiten", die den Religions- und Rassenhaß zu verbreiten suchen, um von der Agitation zu leben, nicht weil sie irgendwelchen Grund haben, die Juden zu hassen oder zu verachten, dürsten gewiß nicht berechtigt sein, Jemanden wegen des Mangels an „Ueberzeugung" zu richten. In den letzten zwei Jahrzehnten haben die Antisemiten gerade Gelegenheit genug gehabt, unter ihren verschiedensten Gegnern zahlreiche „Juden aus Ueberzeugung" kennen zu lernen, gute Deutsche, welche alle Prüfungen, jede Zurücksetzung und Verkennung, jede Umgehung der ihnen feierlich zugesagten Gleichberechtigung männlich ertrugen, nur um nicht ihre religiöse Ueberzeugung zu verleugnen und sich durch Fahnenflucht die Verachtung ihrer Brüder zuzuziehen. Hat Generaldirektor Ballin den Mänuerftolz vor Königsthronen bewiesen, sich als „Inden aus Ueberzeugung" zu bekennen, so ist dies gewiß anerkennenswerth, aber der spätere Geschichtsschreiber wird vielleicht nicht minder jene Märtyrer im Könitz er Kreise preisen, welche inmitten einer von den rücksichtslosen Verbreitern des Religions- und Rassenhasses förmlich verblendeten Bevölkerung weder ihr Bckenntniß noch ihre Abstammungverleugneten, sich gegenjcde Beschimpfung ihrerReligion förmlich aufbäumten und dafür Unsägliches erduldeten, vielfach Hab und Gut opferten und lieber ins Elend gingen, als täglich die Qual zu leiden, Ritualmord-Lügen anzuhören! Was die „Suggestion" in jener uuglückseligen Gegend geleistet hat, erinnert an die dunkelsten Zeiten des Mittelalters; diese von Geschäftsantiscmiten ohne jede, auch ohne antisemitische Ueberzeugung beständig ausgeübte, unheimliche Gewalt wirkt um so gefährlicher weiter, seit ihr Vorhandensein an maßgebender Stelle entschieden bestritten wurde. DasBerlinerAntiscmitenblatt citiert das Wort: „Das eben ist der Fluch der bösen Thät, daß sie fortzeugcnd Böses muß gebären!" und knüpft daran mit schlecht verhehlter Schadensteude gehässige Betrachtungen über „nun hinter Zuchthausmauern schmachtende Mitglieder der Lcwyschen Familie" und den durch den Glanz des Goldes bethorten, „in das Zuchthaus geschickten christlichen Journalisten Schiller". Daran schließt sichdiehäniische Frage: „Wer sind die wirklich Schuldigen? Jeder völlig vorurthcilslose Beobachter der Vorgänge, die sich seit der Ermordung Ernst Winters im ganzen Konitzer Kreise abgespielt haben, kann diese Frage nur so beantworten: Die wirklich Schuldigen sind jene Männer, ohne jegliche Ueberzeugung, welche sich zwar selbst als „Rasse-' antifemiten" bezeichnen und jeden Religionshaß ableugnen, trotzdem aber seit jener traurigen Katastrophe und auch heute noch alle Mittel ■< ra

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