Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 405 (sequence 1)
- Language
- German
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405 A:rschsN. der vielbesprochenen Unterredung des Kaisers mit dem General- Z&M direktor der Hamburg-Amerira-LLnie, Ballin, soll diesem s. Z. nach einer Angabe ein Ministerposten, nach einer anderen ein Adelsdiplom angeboten worden sein. Darüber, ob der Monarch auf die Andeutung, daß Ballin Jude sei, erklärt hat: „Das macht mir nichts!" oder „Nun das läßt sich ja ändern!", ist vielfach gestritten worden. An der Thatsache ändert dies nichts, daß der deutsche Kaiser an dem Wesen und Wirken eines tüchtigen deutschen Juden Gefallen gefunden uud daß dieser Jude sich nicht als eitler, ehrgeiziger Streber erwiesen hat. Die antisemiüsche Presse hat aber mit der ihr eigenen Dreistigkeit die Darstellung, „als ob der christliche Deutsche Kaiser dem Juden den Uebertritt zum Christenthum, die Taufe als Weg, Karriöre zu machen, andeuten konnte, während der Jude diesen Weg als ungangbar bezeichnet", ungeheuerlich genannt; sie hat auch die angebliche Antwort Ballins, „daß läßt sich nicht ändern, -denn ich bin Jude aus Ueberzeugung!" als widersinnig bezeichnet, weil es eine Fiktion sei, Zwischen Deutschen und Juden nur den Religionsunterschied gelten Zu lassen und als Wurzel des Antisemitismus Len Neligionshaß hinzustellen. Wenn die Antisemiten- Preffe alle diejenigen, welche tüchtigen Juden „die Taufe als Weg, Karnöre zu machen" empfohlen haben, einer Ungeheuerlichkeit Zu zeihen wagt, so mag sie sich nur erinnern, wer es war, der die „getauften" Juden Simson, FriedLerg, Friedenthal u. a. m. mit hohen Aerntern betraute, wem Brasch, Kayser u.a. m. nach ihrem UeöertntL ihre Anstellung verdankten. Gerade unter der von den Antisemiten tagtäglich zurückersehnten DismarL'schen Glanzperiode war diese Empfehlung bekanntlich gang und gäbe; sie soll auch heute noch bei manchen von den Antisemiten hochzepriesenen, einflußreichen Personen, die besonders der Anstellung ungetanster Juden in der Verwaltung und Justiz widerstreben, üblich sein, wenn sie sich Leuten gegenüber sehen, welche ihrer Meinung nach, nur als Christen dem Staate treffliche Dienste leisten könnten. Daß ein Uebertritt ohne Ueberzeugung Zum Zwecke der Beförderung diesen sonst so tüchtigen Leuten den Stempel der Charakterlosigkeit aufdrückt, sie also in gewissem Sinne minder-