Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Der Leipziger Bankkrach
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 400 (sequence 8)
- Language
- German
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Wenn die .Reichsbank, auf welche übrigens nur in der von den Antisemiten krampfhaft aufrecht erhaltenen Fiktion die Juden einen maßgebenden Einfluß ausüben, die Accepte der Leipiger Bank zurückwies, hat sie eine nicht hoch genug zu veranschlagende Vorsicht bewiesen und verhütet, daß der Schwindel in Leipzig und Kassel noch länger fortgesetzt und der Schaden noch erheblich vergrößert würde. Dieser Meinung giebt auch die „Magdeburgische Zeitung" in folgenden Worten Ausdruck: „Wir können unsere Verwunderung darüber nickst verhehlen, auf welches Maaß von Gedankenlosigkeit speculiert werden muß, wenn man es wagt, unsinnige Behauptungen aufzustellen. Die Leipziger Bank konnte, wie auch die „Kreuzzeitung" anerkennt, nicht gerettet werden, nachdem ihre Leiter es für gut befunden hatten, trotz aller öffentlichen Warnungen fast das Doppelte ihres eigenen Aktienkapitals in dem Schwindelunternehmen der Kasseler Trebertrocknungs-Gesellschaft festznlegen. Unter diesen Umständen würde jeder Rettungsversuch zu Gunsten der Leipziger Bank geradezu ein Verbrechen gegen die eigenen Interessenten gewesen sein, das vermnthlich von keinem schärfer als von der antisemitischen Presse angegriffen worden wäre." Diejenigen, welche es jetzt der Reichöbank und andern großen Banken, die allerdings schon längere Zeit Mißtrauen gegen die Leitung der Leipziger Bank gehegt haben sollen, zum Vorwurf machen, daß sie diese Meinung nicht rechtzeitig dem großen Publikum bekannt gaben, um es vor Verlust zu schützen, würden sicher auch, wenn dies geschehen wäre, eine solche Veröffentlichung als den Grund des' Zusammenbruchs dargestellt haben. Von dem „Leipziger Tageblatt" werden mit Recht die antisemitischen Bemühungen, die Schädigungen des Nationalvermögens parteipolitisch „zur Massenverhetzung" auszunutzen,' als „an Ruchlosigkeit streifende Versuche" bezeichnet, „dort Sündenbocke zu suchen, wo solche nicht stehen und nicht stehen können". Selbst die von antisemitischen Anwandlungen durchaus nicht freie katholische „Germania" nennt die Behauptung sächsischer Blätter, daß hier eine Abschlachtung durch die Berliner Großfinanz vorliege, „einen geradezu albernen Vorwurf". Genau denselben Standpunkt vertritt auch ein anderes Organ der Centrums-Partei, die „Köln. Volkszeitung", welche der in Leipzig erscheinenden „Allg. evangelisch-lutherische Kirchenzeituug", die ganz im Sinne der Antisemiten die Hilfsaktion der von Christen geleiteten „Deutschen Bank" als ein „Dämouswerk der jüdischen Hochfinanz" darstellt, gründlich den Text liest. Dazu bemerkt das „Kölnische Katholikenblatt" sehr richtig: . „Die jüdische Hochfinanz hat doch