Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. 398

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
Der Leipziger Bankkrach
Date
1901-08-01
Page
398 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2316602-2316676-2316684-2328132--08434-2328207
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

398 \j'n\ vvvUj'vi-;'^u Chefs des durch die jüdischen Kunden aus Galizien reich gewordenen Leipziger Bankhauses Frege & Co., bekanntlich zu denen gehören, welche das „Berliner Tageblatt" auf Grund guter Informationen zu den „Onyx-Säulen" des sächsischen Antisemitismus rechnet. Wenn die Aktionäre und Gläubiger der Bank energisch daran gingen, die Aufsichtsräthe, die berufenen Wächter und Bürgen der Ehrlichkeit des Bankvorstandes, regreßpflichtig Zu,machen, dann würde vielleicht das Vermögen der Herren Konsul Dodel und Kammerrath Fritz Mayer allein schon hinreichen,, einen ansehnlichen Theil des angerichteten Schadens zu ersetzen. Die sofortige Verhaftung Dodels, der in Leipzig eine der angesehensten Persönlichkeiten war, sowie die vorläufige Beschlagnahme seines Vermögens zeigen, daß die Behörden ohne Ansehen der Person energisch Vorgehen. Dodel ist zwar gegen eine von seiner Mutter gestellte Kaution von 250000 Mark wieder aus der Haft entlassen worden, aber die. Untersuchung gegen ihn und Exner, sowie gegen die Aufsichtsrathsmitglieder nimmt ihren Fortgang. Es ist ganz unglaublich, daß die Leipziger Bank mehr als 80 Millionen der Kasseler Trebertrocknungs-Gesellschaft kreditieren konnte, ohne daß die Aufsichtsräthe davon Kenntniß hatten; es ist aber ebenso unglaublich, daß diese auch dann noch von der Unsicherheit des Kasseler Unternehmens keine Ahnung gehabt haben sollten, nachdem sowohl die Berliner als auch die Münchener Börse wegen dieser Unsicherheit den neuen sechs Millwnen-Aktien der Kasseler Gesellschaft die Zulassung versagt, und die Reichsbank die Accepte der Leipziger "Bank zurückgewiesen hatte. Das hätte das Publikum warnen und vor Schaden hüten müssen, wenn die Leipziger Aufsichtsräthe ihre Schuldigkeit gethan hätten, und wenn nicht der stark mit Partikularismus verbrämte sächsische Antisemitismus dem Verhalten der Berliner Großfinanz unwürdige Beweggründe untergeschoben hätte. Die Folgen dieses theils aus Beschränktheit, theils aus Böswilligkeit herrührenden Mißtrauens gegen alles, was von Berlin kommt, sind traurig genug. In Sachsen und Thüringen sind zahlreiche Aktionäre der Leipziger Bank so sehr in Mitleidenschaft gezogen, daß nicht wenige von ihnen sich aus Verzweiflung das Leben nahmen, andere (darunter der Superintendent Müller in Gräfentonna) in Irrenhäuser gebracht werden mußten. Wie der Geheime Kirchenrath Superintendent Pank mittheilte, hat der Leipziger Hauptverein der Gustav Adolf-Stiftungdurch die Katastrophe sein ganzes Baarvermögcn verloren und ist auch das Leipziger Diakonissenhaus schwer geschädigt. Aehnlich ergeht es der jüdischen Religionsgemeinde in Dresden, da das große Kapital der wöhlthätigen Schie» Stiftung, von deren Zinsen bisher zahl-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.