Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Der Leipziger Bankkrach
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 395 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Leipziger Bankkrach. 395 großen Verlusten bewahrende Charaktereigenthümlichkeit wußten große Männer stets zu schätzen, selbst wenn sie im übrigen weit davon entfernt waren, eine besondere Vorliebe für Juden zu bekunden. Fürst Bismarck vertraute bekanntlich seine Geschäfte Herrn von Bleichröder an und zog Jahre hindurch den Abg. Ludwig Bamberger in finanziellen Fragen mit Nutzen zu Rache. Auch Fürst Hohenlohe soll in dieser Beziehung einem jüdischen Bankhause sein Vertrauen zugewandt und dasselbe stets gerechtfertigt gefunden haben. Den Antisemiten waren diese Thatsachen selbstverständlich besonders peinlich und wo es in ihrer Macht stand, haben sie das Aeußerste versucht, nicht etwa das Geldgeschäft in ruhigere Bahnen zu lenken, sondern es den Inden zu entziehen, um es ihren Zwecken dienstbar zu machen. Dazu waren die Aussichten im Königreich Sachsen ihrer Meinung nach günstiger als 'sonst irgendwo, denn dort giebt es unter einer Bevölkerung von 3*/2 Millionen noch nicht ganz 10 000 Juden, von denen wiederum nur sehr wenige begütert und in der Lage sind, an der Leitung großer industrieller Unternehmungen theilzunehmen oder diese irgendwie zu beeinstuffen. Nichts kann das von den Antisemiten beständig genährte Dorurtheil gegen die „jüdische Spekulation" gründlicher widerlegen, als die Thatsache, daß gerade dort, wo schon infolge der lebhaften antisemitischen Strömung die Juden nicht die Hand im Spiele haben konnten, eine Mißwirthschaft der gröbsten Art einen' Bankkrach herbeigeführt hat, der nicht nur zahllose Existenzen vernichtet, viele Menschen ihrer mühsam errungenen Ersparnisse beraubt, unzählige in ruinierten industriellen Unternehmungen beschäftigte Beamte und Arbeiter brotlos macht, sondern auch ein so tiefes Mißtrauen gegen andere gewissenhaft geleitete Unternehmungen erweckt, daß dadurch nicht nur im Königreich Sachsen, sondern in ganz Deutschland weite Kreise empfindlichen Schaden erleiden. Bevor diese traurige Katastrophe eintrat, waren bereits in Preußen die Spielhagen-Banken, die Preußische und die Pommerjche Hypothekenbank, sowie die Deutsche Grundjchuldbank, in Mecklenburg-Strelitz die dortige Hypothekenbank zusammengebrochen, lauter Unternehmungen, deren Untergang auf Ursachen Zurückzuführen ist, welche von der antisemitischen Presse zu den rasendsten Angriffen auf die Juden benutzt worden wären, wenn sich irgend eine Betheiligung derselben herausgestellt hätte. Da - aber bei dem schmählichen Zusammenbruch der Hoföanken in Berlin und Potsdam die Schuld an solchen -Direktoren haften blieb, die wie ihre Vorgänger vor Jahren in dem Falle Quistorp zu jenen konservativen Kreisen gehören, welche den Judenhaß leidenschaftlich fördern, ohne sich offen der antisemitischen m