Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Studententhum und Centralverein
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 389 (sequence 11)
- Language
- German
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erkennenden Eingreifens des Rektors der technischen Hochschule, noch nicht Leigelegt sind. Es ist das um so bezeichnender und läßt um so mehr ‘ die sonst doch als alte deutsche Tugend gerühmte Dankbarkeit vermissen, als dieselben Herren Studenten von dem Onkel dieses Juden regelmäßig während der Ferien ein Schiff zur Verfügung bekommen haben — der Onkel ist Rheder in Stettin •— auf dem sie Studienreisen machen konnten. (Heiterkeit.) Die Quittung für dieses Entgegenkommen war das rüpelhafte Benehmen gegen seinen Neffen. (Ruf: Pfui!) Und weshalb geschah das alles? — Das seht ja schließlich allem die Krone aus. Es geschah, weil die Herren erklärten, sie wünschten nicht, daß ein Jude Schiffsbauingenieur werde. Ob die Vierzehn, die da beisammen waren, sich für so inferioren Geistes hielten, daß sie meinten, es sei eine sehr gefährliche Konkurrenz, die dieser eine machen könnte auf dem Gebiete dieser Wissenschaft, oder ob sie allgemein meinten, es sei für jeden .besser und leichter, in einem Beruf vorwärts Zu kommen, wenn die Konkurrenz möglichst abgehalten wird — ich weiß nicht, welches die Ursachen im Detail waren. Das Eine steht fest: sie haben selbst umschrieben bekannt, Laß der ganz gemeine Brotneid sie bei ihrem Thun leitete. Wir sind nicht der Meinung, daß das echt deutsch gehandelt ist. Auf der technischen Hochschule sind ja andere Vorfälle — ich will Sie mit Len Einzelheiten nicht ermüden — passiert, die uns Zeigen, wie in der That keine Bildungsstätte mehr vorhanden ist, auf der die Juderflsich bethätigen können, so wie sie-es als deutsche Staatsbürger und Abkömmlinge solcher verlangen könnten. Meine Herren, die Studenten haben deshalb in besonders hohem Maße die Verpflichtung, eiuzutreten in den Kampf zur Abwehr, in den Kampf für die Verwirklichung der verfassungsmäßig gewährleisteten Gleichberechtigung aller deutschen Staatsbürger ohne Unterschied - des Religionsbekenntnisses. Wir hören neuerdings sehr häufig das Wort: Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser, und unser Kaiser, der ja Ln dem viel erwähnten Gespräch mit dem Generaldirektor Ballin in Hamburg gezeigt hat, daß er bei dem rechten Mann, den recht zu erkennen ihm die Gelegenheit geboten wird, nicht den Juden heraussieht, sondern den Mann zu schätzen weiß, hat ja auch in dieser Unterredung wiederholt das Wort fallen lassen: Unsre Zukunft liegt auf dem Wasser. Wir sind der Meinung, daß Deutschlands Zukunft zu Wasser werden würde, wenn nicht die Zukunft verbürgt wird durch unsere Jugend. Die deutsche Jugend ist es, in der Männer sich heranbilden müssen, die bereit sind, für Recht und Gesetz einzutreten. Deshalb sind vor ■ i.