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Im deutschen Reich · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. 388

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
Studententhum und Centralverein
Date
1901-08-01
Page
388 (sequence 10)
Language
German
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dabei: man solle auch keinen Unterschied machen zwischen Juden und getauften Juden, denn die blieben ja Juden. Das ist ja thatsächlich noch eine gewisse Genugthunng, daß man wenigstens nicht durch die Fahnenflucht der Taufe nun sich den Unannehmlichkeiten gleich ganz entziehen kann, die das Beharren bei dem Glauben sonst leider bei uns mit sich bringt. Und da werfen sich diese „Akademischen Blätter" selbst ein, das sei ja nun allerdings eine Verfassungsverletzung. Aber wer wird sich darum kümmern? Ja, wenn's gegen Juden geht, da ist eben eine Verfassungsverletzung erlaubt. Darüber dürfe sich doch ein Justizminister wohl hinwegsetzen vermöge seiner Stellung als Minister der Justiz, als Wächter der Gerechtigkeit. Das, meine Herren, wagt man deutschen Studenren vorzusetzen! Noch in der neuesten Nummer der „Akademischen Blätter" vom 16. d. Mts. ist in einer Zuschrift aus Prag genau derselbe Gedanke entwickelt, daß es nun allerdings einmal ohne Verfaffungsverletzung nicht angeht, die Juden zu unterjochen. Aber ist eben die nöthig, nun, dann muß man sie anwenden, dann geht es ja nicht anders. Handelt es sich ja doch auf der einen Seite um die Juden, und auf der andern Seite bloß um die Verfassung! Weiter wird in derselben Nummer der ^Akademischen Blatter" den deutschen Studenten jüdischen Glaubens das Rechtabgesprochen, sich deutsche Studenten zu nennen. Es wird ausgeführt, wie ein jüdischer Student überhaupt kein Recht auf Satisfaktion habe, denn die Satisfaktion, das ist etwas, was man mit deutschen Waffen giebt, und deutsche Waffen, die hat natürlich ein jüdischer Student nicht zu führen; ergo kein Jude hat Las Recht auf Satisfaktion. Meine Herren, man wäre versucht, über solche Tollheiten zu lachen. Aber diese Tollheit hat Methode, diese Tollheit macht Schule außerdem, und ihre Frucht sehen wir in der weiteren Ausbreitung des Antisemitismus und schließlich in der Unterdrückung aller staatsbürgerlichen Rechte der deutschen Juden allüberall. Es wird den meisten von Ihnen auch bekannt sein, wie auf technischen Hochschulen die Zustände sind. Ich erinnere auch an den Vorgang auf der technischen Hochschule in Charlottenburg, wo ein jüdischer Student Schiffsbaukunst studierte, wie in der Vorlesung dieser der einzige Jude war und sämmtliche übrigen sich zusammenthaten, um als tapfere christliche Männer durch Trampeln und höhnische Bemerkungen dem Juden das Leben schwer zu machen — es waren glaube ich, vierzehn Hörer gegen einen, der Muth also war in der That nicht überwältigend — und wie dann schließlich Zwistigkeiten Herauskamen, die, soviel mir bekannt ist, trotz des vollständig anzu-

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