Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Studententhum und Centralverein
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 384 (sequence 6)
- Language
- German
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384 Im deutschen Reich. steht. Es hat seine außerordentlich ideale Seite nach innen unseren Glaubensgenossen gegenüber, es stützt sie in den vielen Fährnissen, denen sie ausgesetzt sind, bei den zahllosen Angriffen, die wir in der Großstadt nicht empfinden, unter denen aber unsere armen Glaubensgenossen in kleinen Orten Schmachvolles erdulden, viel schlimmer, als wir es uns träumen lassen mögen. Und diese ideale Seite, die unsere Glaubensgenossen stützt und erhebt und zu uns führt, hat wiederum nach außen hin ihre sehr reale Grundlage. Denn nur getragen von dem Vertrauen aller unserer Glaubensgenossen können wir hoffen, irgendwelches Gewicht zu finden bei den Behörden nach außen hin, bei denen, denen gegenüber wir unsere Rechte Zur Geltung bringen wollen. Und was wollen wir denn? Wir verlangen unser Recht, nichts' weiter. Keiner von uns beansprucht Privilegien. Unbescheiden zu sein, haben wir ganz gewiß verlernt, wenn wir.es früher jemals gewesen sein sollten. Wir wollen nichts als dasjenige, was gejetz- und verfassungsmäßig uns zusteht. Wir haben Zwar nach jahrelangem Kampfe Erfolge errungen, sind aber leider noch lange nicht am Ende unserer Thätigkeit. Das ist das Schmachvolle an dieser Bewegung, daß man in Deutschland sich dem Grundsätze verschließt, daß, wer ein Recht hat, es auch fordern darf. ' Daß wir nun aber bei Behörden vielfach unser Recht dnrchgesetzt haben, und zwar insbesondere bei Behörden, daß aber auch manchem, der nicht Beamter ist und nicht unmittelbar mitzuwirken hat an der Verwirklichung der Rechte der Staatsbürger, die Augen geöffnet sind, verdanken wir lediglich dem Umstande wiederum, daß man weiß: die deutschen Juden stehen hinter uns. Denn wenn wir an die Behörden schreiben und auf Unrecht Hinweisen und darauf aufmerksam machen können: wir sprechen im Namen von über hunderttausend deutschen Juden, dann, m. H., hört man uns, dann sprechen hunderttausend deutsche Stimmen, und die verschaffen sich eben Gehör. Wir fordern lediglich unser Recht, nicht Privilegien, habe ich gesagt. Und doch, m. H. ist es so unendlich schwer, zu diesem Rechte zu kommen. Man sollte doch meinen — wir leben ja bekanntlich in einem Rechtsstaate und die Verfassung verbrieft uns unser Recht — daß wir bei Männern, die nicht pflichtvergessen sind und durch ihre Intelligenz im Stande sind, ihre Pflichten zu erkennen, Erfolge haben müßten, wenn wir unter Berufung auf Paragraphen der Verfassung und des Gesetzes unser Recht verlangen. Denn da steht es so klipp und klar, so unzweifelhast deutlich, daß es nur eines solchen Hinweises bedürfen sollte. Und trotzdem ist der Kampf ein furchtbar