Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Studententhum und Centralverein
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 382 (sequence 4)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 882 und deshalb haben wir auch gesehen, daß bei dieser Verteidigung, so dankenswerth sie war, so edlen Motiven sie entsprang und so trefflich die Männer waren, die sich ihr widmeten, — daß bei dieser Ver* Lheidigung ein durchgreifender Erfolg nicht erzielt werden konnte, daß diese Verteidigung wenigstens allein nicht hinreichen konnte, um die antisemitische Bewegung einzudämmen, daß diese Bewegung wuchs und gedieh und einen ungeahnten Umfang annahm. Die Juden duckten sich zunächst und ließen sich von anderen verteidigen. Dieser Grundsatz, mit dem jetzt, Gott sei Dank, seit Jahren gebrochen ist, kann in studentischen Kreisen nicht Anerkennung finden. Wir brauchen nicht zu erwägen, ob es richtig wäre, wenn er anerkannt würde; es ist das einfach ausgeschlossen. Das wird sich jeder sagen müssen, der selbst einmal Student gewesen ist, und es ist auch deshalb kein Zufall, daß die allererste Anregung dazu, daß die Juden sich selbst verteidigen sollten, aus studentischen Kreisen stammte. In Breslau tauchte 1886 an der Universität der Gedanke auf, die Juden. sollten sich selbst wehren. Freilich, als der Gedanke auftauchte, war die große Masse der Juden selbst noch nicht reif, ihn aufzugreifen. Damals verhallte die Anregung ziemlich wirkungslos, vielleicht auch, weil sie von studentischen Kreisen kam, weil deshalb die Stelle, von der sie ausging, noch nicht das genügende Gewicht in der Allgemeinheit hatte. Nun, der verdienstvolle Leiter des Schillertheaters, Dr. Raphael Loewenfeld, war es, der den Gedanken aufgriff, und seine bekannte Brochure „Staatsbürger oder Schutzjuden?" war es, die damals das Steinchen ins Rollen brachte, die Männer von Ansehen auf die Idee brachte: so geht's nicht weiter, man kann nicht hinter dem Ofen sitzen und andere für sich arbeiten lassen; dabei kommt man nicht vorwärts — und diese Broschüre war es recht eigentlich, die den Anlaß' bot zur Begründung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der zuerst mit der Devise in die Oeffentlichkeit trat: Selbstverteidigung der Juden, Selbstvertheidigung in voller Oeffentlichkeit. Daß der Gedanke ein kerngesunder gewesen ist, das dürfen wir heute konstatieren. Allerdings waren dieselben indifferenten Glaubensgenossen, die meinten, es sei sehr bequem, von. anderen löschen zu lassen, wenn das Haus brennt, — die allerdings waren zunächst spröde und wollten nicht zu uns kommen. Die waren die Duckmäuser, die da sagten: um Gotteswillen, sich nicht mausig machen! Lieber schweigend alles ertragen, was geschieht, denn man hat die nicht gern, die zu laut auftreten! Wir waren anderer Meinung. Wir sagten