Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Studententhum und Centralverein
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 381 (sequence 3)
- Language
- German
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Studcntcmhum und gentrcaücrcin. 381 In der ersten Nummer der Zeitschrift unseres Vereins fand sich ein Emgangsartikel, der an die alte Historie erinnerte, wie ein Landsknecht im Kriege für unverwundbar galt, weil er selbst an die Heilkraft eines Amuletts glaubte, das er auf der Brust trug. Nichts konnten ihm feindliche Hiebe anhaben, er war unbezwinglich. Und als man nachsah, was nun in diesem Amulett eigentlich stand, da waren es die kurzen, treffenden Worte: Hundsfott, wehr' dich! Diese Worte sprechen beredt zu uns. Ich erinnere Sie an ein anderes Wort modernen Ursprungs, an ein Wort, das unser jetzt regierender Kaiser dem Hofprediger Fronunel geschrieben hat: „Wer nur auf Gott vertraut und feste um sich haut, hat nicht auf Sand gebaut." Meine Herren, diese Grundsätze sollten ja eigentlich selbstverständlich sein. Welcher Mann wird es seiner würdig erachten, Unrecht schweigend duldend zu tragen? Wer wird, wenn er beleidigt worden ist, dazu stillschweigen und allenfalls die Faust in der Tasche ballen? Ich meine: daß man sich wehren soll, das ist etwas so selbstverständliches, daß ich es am allerwenigsten vor einer Versammlung von Studenten, von Akademikern, auszu führen brauche. Leider aber wurden diese Grundsätze trotz ihrer Selbstverständlichkeit von unseren Glaubensgen offen keineswegs befolgt, als ihnen Zuerst Unrecht widerfuhr. Aus Zndifferentismus gegen den Glauben, aus Jndifferentisnms gegen die Glaubensgenoffenschaft, der sie angehörten, und aus dem größten Fehler, den man begehen kann, aus der Unterschätzung des Feindes, kam es, daß man nichts that. Man hatte zu viel Zuversicht und Vertrauen auf den gesunden Sinn unserer christlichen Mitbürger, als daß man fürchtete, die Bewegung könne irgendwelche ncnuenswerthe Bedeutung annehmen, und man zog es deshalb vor, schweigend zuzusehen, als endlich Andersgläubige es waren, die unsere Verteidigung in die Hand nahmen. Unvergessen sei es den Männern, die sich an die Spitze stellten, um der Bewegung entgegenzutreten. Männern wie Gneist und Rickert, die als Christen den Verein zur Abwehr des Antisemitismus begründeten, um vonden jüdischen Mitbürgern Unheil abzuwenden, um-ihre gesummten deutschen Mitbürger, unser deutsches Vaterland vor der Schmach dieser Bewegung zu schützen. Indessen, wie wir es im Privatleben sehen: „Hilf dir selbst, so wird Gott dir helfen", wie jeder einzelne von uns in seinem Privatleben ganz gewiß dem Grundsatz huldigt: Selbst ist der Mann, so .bewährte es sich auch hier. Wer nicht selbst für sich'eintritt, kann nichts erreichen. Zunächst hat jeder selbst seine Schuldigkeit zu thun,