Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 351 (sequence 6)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 851 tages, den er selbst vor einiger Zeit angeregt hatte. Er führte dabei ungefähr Folgendes aus: Eine Gesammtorganisation der deutschen Juden ist nothwendig, denn die bestehenden Organisationen können nur eine sehr beschränkte Wirksamkeit ausüben, da sie nicht die Gesammtheit der deutschen Juden repräsentieren und ihnen nach Außen und nach Junen die nöthige Autorität fehlt. Eine Organisation, wie Redner sie denkt, bedeutet keineswegs eine Absonderung der Juden, sondern es sollen nur die naturgemäß vorhandenen Sonderinterefsen der Juden gesondert vertreten werden, was ja bei anderen Jnteressen-Gruppen längst geschieht, z. B. bei den Landwirthen, dem „Gustav Adolf-Verein" ^rc. Es ist zu bedauern, daß der Plan des „Judentages" an der Unthätigkeit der Juden und der ihnen noch anhaftenden Ghettofurcht gescheitert ist. — In der sich dem Vortrag anschließenden Diskussion traten fast alle Redner für den Plan des Herrn Prof. Philippson ein. „Weshalb ich zum Deutschen Volksbund ging! Ein Aufruf an alle Antisemiten." Unter diesem Titel erschien im Verlage der, „Deutschen Hochwacht" (früher „Deutsche Reform") eine von Johannes Wilberg verfaßte kleine Schrift, welche die gegenwärtigen antisemitischen Parteiverhältnisse beleuchtet, um für die Vereinsgründung der Firma Mosch & Förster Stimmung zu machen. Der Verfasser dieses Schristcheus, der offen bekennt, daß er seit 16 Jahren in der Berliner antisemitischen Bewegung steht und dieselbe mit durchlebt hat, sagt seinen Parteigenossen keine Schmeicheleien. Er schreibt: „Von Henrici bis heut! Jeden ehrlichen Antisemiten packt ein in-, grimmiger Zorn, wenn er an diese Zeit zurückdenkt, und wer nun gar 16 Jahre hindurch seine Lunge, seine Gesundheit, seine Existenz und einen nicht unbeträchtlichen Theil seines Geldes geopfert hat, der möchte verzweifeln, wenn er sieht, wie bisher fast Alles umsonst war und wie wenig wir in so langer Zeit erreicht haben. — — Hätten wir nur stets die Sache im Auge gehabt, so wären wir heute die mächtigste und einflußreichste Partei im ganzen Lande. Aber leider haben wir gar zu oft die Personenfrage statt der Sache in den Vordergrund gestellt. Und gerade daran mußten wir immer und immer wieder scheitern. Keine einzige Partei hat je so viele Gaukler und Schaumschläger in ihren Reihen gezählt wie die unsrige, und keine Partei hat sich so von Phrasenhelden und elenden Spekulanten nasführen lassen wie die antisemitische. Wie der Ertrinkende sich in seiner Angst noch an einen Strohhalm klammert, so hoffte und vertraute der durch die Judennoth ausgesaugt-e und dem Untergang nahe Mittelstand auf Jeden, der sich ihm unter der Maskd