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Im deutschen Reich · 1901-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1901) · p. 350

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1901)
Article
Berlin
Date
1901-06-01
Page
350 (sequence 5)
Language
German
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350 Im deutschen Reich. Nachdem ein Ausruf an die Glaubensgenossen einstimmig genehmigt worden war, wurde beschlossen, bis zum Herbst die organisatorische Thätigkeit in Deutschland selbst nach Möglichkeit zu fördern, damit alsdann die materielle Basis vorhanden sei, um nach Prüfung der Vorschläge der eingesetzten Subkommissionen unmittelbar die praktische Thätigkeit beginnen zu können. Als nächste Zu lösende Aufgabe ist ins Auge gefaßt die Fortsetzung des rumänischen Hilfswerks; das Studium der Schulfrage im Orient und die Möglichkeit der wirthschaftlichen Förderung unserer Glaubensgenossen daselbst beschäftigt andere Subkommisstonen. In dem Aufruf wird u. A. gesagt: Seit dem Jahre 1860 besteht die Alliance Israelite Universelle, seit dem Jahre 1871 haben sich die englischen Juden zur Anglo Jewisli Association zusammengeschlofsen. In Oesterreich giebt es seit dem Jahre 1873 die Israelitische Allianz. In allen größeren europäischen Staaten mit einer erheblichen jüdischen Bevölkerung haben unsere Glaubensgenossen, sofern ihnen dies durch die Gesetze des Landes möglich war, Bereinigungen gebildet, um an der sittlichen und intellektuellen Vervollkommnung und der sozialen Hebung jener zu arbeiten, die mit ihnen durch die Bande der Religion verknüpft sind und die ein widriges Geschick in geistiger Armut und in leiblichem Elend Zurückgehalten hat. Bei diesem segensvollen Zusammenwirken fehlten bisher die Juden Deutschlands als selbständig organisierte Bereinigung. Diese Lücke ist jetzt aus gefü llt. Demnach erstrebt der neue Verein humanitäre Ziele; feine Thätigkeit wird sich hauptsächlich auf außerdeutsche Juden erstrecken, von denen sich jetzt so unendlich viele in höchst bedrängter Lage befinden. Es steht zu hoffen, daß die deutschen Juden das Ihrige thun werden, das traurige Loos ihrer im Osten Europas wohnenden Glaubensgenossen freundlicher gestalten zu helfen. Am 10. Juni hielt der Hilfsverein seine erste Sitzung ab, die Herr James Simon mit einer Ansprache einleitete, in welcher er eine Vorgeschichte des Vereins gab, über dessen Aufgaben und Ziele sodann Herr Justizrath Cassel ausführlicher berichtete. Daran schloß sich eine Diskussion, an der sich die Herren Charles L. Hallgarten, Dr. Hildesheimer, Dr. P. Nathan, Dr. Mittwoch, Dr. Löwe n. a. Herren betheiligteu. Insbesondere hob Herr Dr. Hildesheimer hervor, daß das vorjährige rumänische Hilfswerk die deutschen Juden so unvorbereitet getroffen habe, daß eine bleibende Organisation zur planvollen Hilfe bei akuten Nothfällen dringlich erscheinen mußte. Im „Verein jüdischer Studenten" sprach' am 11. Juni Prof. Dr. Philippson über den Gedanken eines Deutschen Juden-

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