Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 348 (sequence 3)
- Language
- German
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348 Im deutschen Reich. sührungen wurden in größerer Auslage gedruckt und zur Versendung gebracht. Die von uns zu schassenden Bauern- und Gärtnersteüen sind als Erbpachtstellen unverschuldbar, und der von uns zu errichtende große Betrieb wird mit genügendem Kapital arbeiten und dank der organischen Verbindung mit den an ihn anzugliedernden Bauern- und Gärtnerstellen jederzeit über eine sehr reiche Ausstattung mit vorzüglichen, weil am Gedeihen des Unternehmens intensiv interessierten, Arbeitskräften versügen. So kann man dem Unternehmen mit aller Sicherheit eine genügende Rentabilität prophezeien. Wenn es uns gelingt, im kommenden Sommer eine jüdische Ackerbauerkolonie anzulegen, und dadurch den Beweis zu liefern, wie sehr deutsche Juden geeignet sind, auf deutschem Boden Landwirtschaft zu betreiben, so haben wir den ersten vielversprechenden Keim gepflanzt. Sie wird eine starke propagandistische Kraft in sich enthalten, neue und neue Ansiedlungen ins Leben rufen, und so der Anstoß werden Zu einem der größten Kulturwerke, welche die deutsche Judenheit bisher vollbracht hat." Die „Commission des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" zur Abstellung des Wanderbettels" hatte zum 9. Juni d. I. eine Versammlung in dem Logenhause, Wilhelmstraße 118, anberaumt, um in dieser Zusammenkunft eine eigene Gesellschaft zur Einrichtung, Leitung und Verwaltung einer Jüdischen Arbeiter- Colonie in Weißensee bei Berlin zu bilden. Gegen 30 Herren waren dieser Einladung gefolgt. Herr Professor vr. Philippson eröffnete die Versammlung und legte in eingehender Rede die socialpolitische Bedeutung der bereits in Deutschland bestehenden 33 Arbeiter- Colonien sowie die Notwendigkeit dar, auch solche Kolonien zu begründen, in welchen jüdische Erwerbslose, ohne zur Verletzung der Speisegesetze gezwungen zu sein und ohne den Spott antisemitischer Arbeitsgenossen zu erdulden, beschäftigt und wieder erwerbsfähig gemacht werden können. Das erforderliche Terrain sei dem Gemeindebund von dem Rittergutsbesitzer Ludwig Meyer, das Baugeld als Darlehn gegen nur einprocentliche Verzinsung von der „Jewisli Colonizaiion Association“ gewährt worden. Dem „Deutsch- Israelitischen Gemeindebund" stünden weder die Mittel, noch die Arbeitskräfte zu Gebote, um die Leitung und Verwaltung einer jüdischen Arbeits-Colonie selbst zu übernehmen. Die mit den Vorarbeiten beauftragte Commission habe deshalb die Begründung einer eigenen Gesellschaft ins Auge gefaßt und ermittelt, daß nur eine Summe von etwa 14 000 Mark nöthig sein würde, um die Verwaltung im ersten Jahre zu führen. Herr E, Rosenstiel ergänzte