Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 344 (sequence 10)
- Language
- German
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344 Im deutschen Reich. denen Luegers entbrannt ist. Aus dem kürzlich in Wien abgehaltenm vierten deutschen Nolkstag der Schönerianer erklärte der Abg. Stein, daß in dem Augenblick, in welchem die antisemitische Bewegung in Oesterreich ihren Höhepunkt erreicht hatte, einer der größten Schufte und Gaukler Gelegenheit nahm, diesen Augenblick für persönliche Zwecke auszunühen. „Seitdem", fuhr Stein fort, „ist ein steter Rückgang der antisemitischen Frage zu verzeichnen, der sich nicht nur nt Wien, sondern in ganz Oesterreich bemerkbar macht. An Stelle des von Schönerer gepredigten Rassen-Antisemitismus trat der christlichsoziale Geschäfts-Antisemitismus, der den Strebern zu einflußreichen Stellungen verhakst" Im österreichischen Abgeordnetenhause kam ec* während einer Rede Luegers zu heftigem Tumult; hiernach drückte der Adg. Berger dem Wiener Bürgermeister die Verachtung der Alldeutscher, aus, die dann unter Pfuirufen den Saal verließen, worauf sie von Lueger als „Landesverräther" bezeichnet wurden. Die frühere Volköthümlichkeit des Wiener Bürgermeisters ist auch'durch eine von seiner Münchener Verehrern nachträglich aufgeführte Komödie nicht wieder hergestellt worden. Unter Führung des bekannten L. Wenng überbrachte eine Abordnung Münchener Antisemiten dem Bürgermeister Lueger einen silbernen Lorbeerkranz und wurde dafür im Wiener Rathhause festlich bewirthet. Nachträglich hat aber in einer Versammlung des Katholischen Männervereins St. Ludwig in München der Landtagsabgeordnete Sickenberger mit scharfen Worten die Anmaßung jener wenigen Münchener zurückgewiesen. In München habe dieser Wiener Vorgang deshalb peinliches Aufsehen erregt, weil Wenng nur ein kleines Häuslein von Anhängern hinter sich habe. Aus der antisemitischen Partei sei er, wie Abg. Sickenberger bemerkte, entfernt worden. Jetzt sei er lediglich bezahlter Agent des Bundes der Landwirthe; vorher habe er sich auch dem Centrum angeboten. Sein Lorbeerkranz könne Lueger nur in den Augen der Gegner schädigen. Vielleicht schaden jedoch Herrn Lueger gewisse Wiener Parteigenossen in dieser Beziehung noch weit mehr. Am 22. Mai brachte im österreichischen Abgeordnetenhause der christlich-soziale Abg. Schneider völlig betrunken eine Interpellation ein, warum Hülsner noch nicht gehängt sei, und ob denn auch die Minister von den Juden bestochen seien? Auf die Einwürfe anderer Abgeordneten antwortete er mit Beschimpfungen. Die Meldung der „Bohemia", daß vom Kaiser Franz Joseph Hülsner begnadigt und vom obersten Gerichtshöfe darauf aus lebenslänglichen Kerker erkannt worden sei, hatte sich zunächst als verfrüht erwiesen. Indessen ist auch in diesem Falle an der bisherigen Praxis festgehalten worden, nach der ein Mörder, der auf Grund eines Indizienbeweises zmu